Do-it-yourself-Terrorismus: Die afghanische Axt

Bildquelle: Screenshot SITE Intelligence Group 19.7.2016

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär auf Twitter:

„Die afghanische Axt-Attacke ist schrecklich und zutiefst zu verurteilen. Die Grüne Renate Künast stellt sich auf die Seite des Täters. Das ist pervers. Für die CSU gilt: Opferschutz vor Täterschutz. Wir danken der Polizei für ihren Einsatz, mit dem sie weiteres Blutvergießen verhindert hat.“

Ich mag die Künast nicht. Ich mag auch Menschen nicht, die in ihrer schriftlichen Kommunikation zig Frage- oder Ausrufungszeichen benutzen. Aber warum sie einen „shitstorm“ erntet und Scheuer nicht, erschließt sich mir nicht.

„Tragisch und wir hoffen für die Verletzten“, schrieb sie auf Twitter. „Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden???? Fragen!“

Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt postwendend:

„Das ist eine ausgesprochen bescheuerte Frage, muss man wirklich sagen. (…) Da brauchen wir die parlamentarische Klugscheißerei überhaupt nicht.“

Eine bescheuerte Frage? Die Todesschüsse des SEK-Kommandos sollen von der Polizei untersucht werden. Die Frage von Künast mag unsensibel und verkürzt gewesen sein, berechtigt ist sie in jedem Fall.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“ :

„Es war schon wichtig, den Täter zu stoppen und zu verhindern, dass er noch andere Menschen angreift.“

Ob zum Zeitpunkt der Todesschüsse von den Polizisten abgesehen „andere Menschen“ in Gefahr waren ist nicht bekannt.

Das ZDF heute Abend:

„Mehrmals soll er „Allahu akbar“ gerufen haben: In einem Regionalzug nahe Würzburg verletzt ein 17-Jähriger mit Axt und Messer fünf Menschen. Er wollte sich an Nicht-Muslimen rächen, „Ungläubige“ umbringen, sagen die Ermittler. Eine IS-nahe Agentur hat ein Video veröffentlicht, das den Attentäter von Würzburg zeigen soll.“

Ein Zeuge soll das „Allahu akbar“ gehört haben. Auf einem der Notrufe, die bei der Polizei eingingen, sei der Ruf deutlich zu hören. Mag sein. Überprüfbar ist es momentan nicht.

Nach dem Massenmord von Nizza wurde ebenfalls medial verbreitet, der Täter habe „Allahu akbar“ gerufen. Eine Falschmeldung wie Cicero richtigstellte:

„Um 12:10 sagt der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen in dem Magazin „Drehscheibe“, die Allahu-Akbar-Rufe seien auf den Videos zu hören, „beim Anfahren des Trucks ganz laut“. Der Ruf sei in den letzten Jahren „als Kampruf missbraucht“ worden, „auch von den Islamisten“. Eine Anfrage bei der ZDF-Pressestelle mit der Bitte um Verweis auf die entsprechenden Videos ist noch nicht beantwortet worden.“

Auch nach der grausamen Axt-Attacke wird erneut fleißig spekuliert. Im Zimmer des 17-Jährigen sei ein Block gefunden worden, auf dem handschriftlich gemalt das Symbol des Islamischen Staates zu sehen gewesen sei. Außerdem seien verschiedene Texte auf dem Block gefunden worden, darunter eine Passage, die Ermittler als Abschiedsbrief an seinen Vater werteten: „Und jetzt bete für mich, dass ich mich an diesen Ungläubigen rächen kann, und dass ich in den Himmel komme.“

Ein handschriftlich gemaltes IS Symbol auf einem Block. Oder wie zahlreiche Medien es vereinfacht wiedergeben: eine IS-Fahne.

Ein politisches Motiv? Ein religiöses? Rache für einen völkerrechtswidrigen Krieg im Herkunftsland? Ein traumatisierter Jugendlicher? „IS-Terror als Mitmach-Event für Jedermann“ (Welt Online)?

BfV Chef Maaßen nennt es „Do-it-yourself-Terrorismus“.

SPON am frühen Abend:

„Eine IS-nahe Agentur veröffentlicht angebliches Video des Zug-Attentäters. (…) Das Bundesinnenministerium erklärte, das Video sei sowohl den Bundessicherheitsbehörden als auch dem Ministerium bekannt. „Die sorgfältige Auswertung dauert an.“

ZDF-Terrorexperte Theveßen eine Stunde später im Heute Journal:

„Klare Verbindung zum IS.“

SZ ebenfalls am frühen Abend:

„Schon am Morgen nach der Tat von Würzburg hat die Terrororganisation Islamischer Staat das Attentat für sich beansprucht, zunächst über eine Mitteilung auf einer IS-nahen Internetseite. Inzwischen ist auch ein Video aufgetaucht, deren Urheber die Terrormiliz sein soll. Davon gehen mehrere Analysten aus, die die Kommunikationskanäle des IS beobachten und als seriös gelten, etwa die Site Intelligence Group.“

Laut Video heißt der Jugendliche Muhammad Riyad.

Laut Welt Online heißt der Täter Riaz A.

Die als seriös geltende Site Intelligence Group. Auch im ZDF wurde SITE erwähnt.

Die „seriöse“ US-Firma ist bekannt und berüchtigt für eine sting operation, die deutsche Islamisten betraf. Detailliert beschrieben mehrere Autoren, wie ein zum damaligen Zeitpunkt 14-Jähriger von einem Lockvogel der amerikanischen Terrorfahnder-Firma SITE beim Aufbau einer islamistischen Website unterstützt wurde.

ZDF Frontal 2015:

„Heute steht fest: Der Bundesnachrichtendienst – der BND – hat Pecis Terrorpropaganda erst ermöglicht. Die Angstmaschinerie im Internet lief über einen Server in Malaysia. Den hatte ein GIMF-Anhänger zur Verfügung gestellt. Frontal 21 vorliegende Dokumenten belegen: Der vermeintliche Gönner handelte im Auftrag des deutschen Auslandsgeheimdienstes, getarnt bei einer US-Sicherheitsfirma. Laut US-Bundespolizei FBI arbeitete der Mann, Joshua Devon, für die SITE Intelligence Group. (…) Auch das ZDF ist Kunde von SITE. Täglich laufen Dutzende Berichte ein – Terrorvideos und Propagandazeitschriften von islamistischen und anderen extremistischen Gruppen. Aber die Dienstleistungen von SITE gingen offenbar sehr viel weiter. SITE hat Terrorpropaganda mit ermöglicht und verdient gleichzeitig mit den Analysen solcher Terror-Videos viel Geld.“

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