Länderspiel Absage: Geheimdienst PR oder konkrete Gefahr?

Image and video hosting by TinyPic

Ein Zeichen sollte gesetzt werden. Gegen den Terrorismus. Für unser Leben in Freiheit. Zirka 90 Minuten vor Beginn des Freundschaftsspieles Deutschland gegen Niederlande wird die Partie aufgrund der aktuellen Gefährdungslage abgesagt, das Stadion geräumt. Es kursieren Gerüchte, ein verdächtiger Gegenstand entpuppt sich als Trolley. Eine Kreiszeitung meldet Sprengstoff in einem Krankenwagen.

Image and video hosting by TinyPic

Gegen 21:30 gibt Innenminister eine Pressekonferenz. Die Absage habe „gute, bittere Gründe“ gehabt. Es wurde kein Sprengstoff gefunden, niemand wurde verhaftet. Zu Quelle und Ausmaß der Gefährdung will der Innenminister nichts sagen. Antworten auf diese verständlichen Fragen zur Bedrohnung würden, so de Maizière, die Bevölkerung verunsichern. Er bittet um einen Vertrauensvorschuss.

Die dpa meldet parallel, dass ausländische Geheimdienste den entscheidenden Hinweis auf den möglichen Anschlag gab. 90 Minuten vor Spielbeginn.

Wieder eine Erfolgsstory für die Dienste.

Die Dienste, die ihre Informationen am 11.9.2001 nicht teilen wollten.

MOPO 19.11.2015:
Image and video hosting by TinyPic
SPON 20.11.2015:

Image and video hosting by TinyPic

Am späteren Abend des 18.11.2015 wird der Fund eines Päckchens in einem Zug im Hauptbahnhof Hannover gemeldet, das untersucht und geborgen und schließlich gesprengt wird, obwohl es offensichtlich keinen Sprengstoff enthält. Ob der Inhalt des Päckchens noch auf Spuren untersucht werden kann ist fraglich.

+++23.27 Uhr Verdächtiger Gegenstand im IC ist unschädlich gemacht +++

Entschärfer der Polizei bergen aus einem IC in Hannover ein verdächtiges Paket. Ob es sich um eine Sprengstoff-Attrappe oder möglicherweise eine scharfe Bombe gehandelt hat, können die Ermittler zunächst nicht sagen. „Die Attrappe ist so gut, dass es möglicherweise sogar ein echter Sprengsatz gewesen sein könnte. Das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht“, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei.

+++ 23.01 Uhr: Gegenstand im IC deutet auf eine Sprengvorrichtung hin +++

Wie die Bundespolizei gegenüber dem NDR angab, handelt es sich bei dem Gegenstand in dem IC um „mindestens eine Attrappe, wenn nicht mehr“. Auf dem Röntgenbild seien deutlich Drähte, Platinen und ein Handy zu sehen gewesen. Es bestehe aber keine Gefahr mehr. (stern.de)

+++ 23:40 Verdächtiges Paket aus IC geborgen +++

Entschärfer der Polizei haben aus dem gestoppten IC in Hannover ein verdächtiges Paket geborgen. Ob es sich dabei um eine Sprengstoff-Attrappe oder möglicherweise eine scharfe Bombe handelt, steht noch nicht fest:“Die Attrappe ist so gut, dass es möglicherweise sogar ein echter Sprengsatz sein könnte. Das wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, es wird untersucht“, sagt die Sprecherin der Bundespolizei, Sandra Perlebach.(n-tv.de)

Sperrung im Hauptbahnhof Hannover aufgehoben

23:37 Uhr

Laut Polizei ist im Hauptbahnhof Hannover ein verdächtiger Gegenstand aus Sicherheitsgründen gesprengt worden. „Nach jetzigem Stand war auch in diesem Objekt kein Sprengstoff enthalten“, schreibt die Polizei Hannover auf Facebook. Die Sperrungen seien bereits wieder aufgehoben. „Seit der Absage des Spieles hat es einige Überprüfungen von verdächtigen Gegenständen gegeben, die sich alle nicht bestätigt haben – d. h. es wurde kein Sprengstoff gefunden“, so die Polizei.(ARD.de)

23.32 Uhr: Die Polizei Hannover schreibt auf ihrer Facebook-Seite: „Seit der Absage des Spieles hat es einige Überprüfungen von verdächtigen Gegenständen gegeben, die sich alle nicht bestätigt haben – d. h. es wurde kein Sprengstoff gefunden. Im Hauptbahnhof ist ein verdächtiger Gegenstand aus Sicherheitsgründen gesprengt worden. Nach jetzigem Stand war auch in diesem Objekt kein Sprengstoff enthalten. Die Sperrungen sind bereits wieder aufgehoben.“(Focus.de)

Image and video hosting by TinyPic

Um 0:30 des 18.11.2015 meldet MDR Info auf Twitter:

Bundespolizei-Sprecherin zu Paket in IC in #Hannover: Paket mit techn. Hilfsmitteln geöffnet; offenbar gut gemachte Sprengstoff-Attrappe.

«Wir haben zunächst dieses Päckchen untersucht, allgemein einer Sichtung unterzogen, dann ist es geröntgt worden von Entschärfern der Bundespolizei. Und als wir uns nicht sicher sein konnten, ob wirklich eine Gefahr davon ausgeht, wurde dieses Paket gesprengt.» Bei dem Fund handelte es sich nach Aussagen der Bundespolizei um eine gut gemachte Sprengstoff-Attrappe und nicht um eine scharfe Bombe, wie zunächst befürchtet worden war.(Stern.de 18.11.2015)

Sprengstoffhunde zeigten an, das Röntgenbild gab zusätzlich Anlass zur Vermutung, dass es sich um eine Bombe handeln könnte, sagte Bundespolizeisprecherin Sandra Perlebach zu tagesschau.de. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Paket mit Sprengstoff oder sprengstoffähnlichem Material in Berührung kam.“ Was den Mann bewogen haben könne, die „gut gebaute Attrappe“ abzulegen, sei unklar. Vermutlich handle es sich um einen Trittbrettfahrer.(ARD.de 18.11.2015)

BILD liegt ein Geheimdokument exklusiv vor. Darin steht, dass „bezüglich der Anschlagswarnung in Deutschland nachstehend vor kurzem zusätzliche Einzelheiten” eingegangen sind.Demnach war wirklich geplant, Sprengsätze in einem Rettungswagen ins Stadion zu bringen. Die Terroristen wollten mehrere Sprengsätze zünden, der Anführer sollte die Attacke filmen. Auch am Bahnhof in Hannover sollte eine Bombe hochgehen. Auch nach einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” hatte die Polizei konkrete Hinweise auf mehrere Attentäter. Dem Vernehmen nach solle es sich um vier Männer und eine Frau gehandelt haben, schreibt das Blatt. Die Attentäter sollen am Dienstag in der Stadt auf der Suche nach Anschlagszielen gewesen sein.Demnach war wirklich geplant, Sprengsätze in einem Rettungswagen ins Stadion zu bringen. Die Terroristen wollten mehrere Sprengsätze zünden, der Anführer sollte die Attacke filmen. Auch am Bahnhof in Hannover sollte eine Bombe hochgehen.(BZ 18.11.2015)

Deutschland stehe ebenso im Ziel der Terroristen wie andere westliche Staaten, hebt de Maizière hervor. Die Bedrohungslage in Deutschland sei „wirklich ernst“. (…) Die Hinweise seien „ernst und gewissenhaft geprüft worden“, sagt später auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Von „Hinweissplittern“ spricht er, von „Abwägungskriterien“ und einer „bitteren Entscheidung“, die einem „niemand abnehmen“ könne. Sicherheitsbehörden erhalten nach Anschlägen sehr viele Hinweise, heißt es in Mainz am Mittwoch immer wieder. „Nehmen wir jeden davon bitter ernst, dann legen wir das öffentliche Leben lahm“, sagte de Maizière. Ignoriere man die Hinweise jedoch, setze man die Bevölkerung großer Gefahr aus.(FAZ 19.11.2015)

Die Bundespolizei hat den Besitzer des verdächtigen Päckchens aus dem IC am Hannover Hauptbahnhof am Dienstag gefunden. Ein Ingenieur aus dem Ruhrgebiet hat das Paket mit Kabeln und Elektrobauteilen beim Umsteigen vergessen. Der Mann habe glaubhaft versichert, dass er keine bösen Absichten gehabt habe, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Mit einem Strafverfahren müsse er nicht rechnen. Das Paket hatte nach der Absage des Fußball-Länderspiels am Dienstag für Aufregung gesorgt. (…) m Dienstag klangen die Polizeimeldungen zum Päckchen im IC noch bedrohlicher: Mitreisende hätten den Mann darauf aufmerksam gemacht, dass er etwas vergessen habe, als er aufstand und ging. Der Mann habe aber nicht darauf reagiert, sondern den Zug verlassen und sei geflüchtet, sagte eine Polizeisprecherin. Wie sich jetzt herausgestellt hat, wollte der Ingenieur wohl einfach nur seinen Anschlusszug erwischen.(SPON 20.11.2015)

Gehetzter Ingenieur vergisst „Bomben-Attrappe“ im Zug: Viele Fragen um das abgesagte Länderspiel am Dienstag in Hannover sind noch offen. Eine allerdings konnte die Bundespolizei beantworten – die nach dem Urheber der „Bomben-Attrappe“, die in einem Intercity entdeckt worden war. Hierbei handelte es sich um einen klassischen Irrtum: Der Behörde zufolge hatte ein Ingenieur aus dem Ruhrgebiet schlichtweg ein Päckchen mit Elektronik vergessen, als er am Hauptbahnhof Hannover schnell den Zug wechseln musste. Am Tag nach dem Terroralarm habe der Mann seinen Besitz in einem Fundbüro im Ruhrgebiet als vermisst gemeldet, teilte die Polizei mit. Danach habe die Polizei Kontakt zu ihm aufgenommen. Der Ingenieur habe glaubhaft versichert, dass er keine bösen Absichten gehabt habe. Dabei hätte ein „Bombenfund“ am Bahnhof durchaus zu dem Anschlagsszenario gepasst, das nach NDR Informationen in Sicherheitskreisen kursierte. Demnach planten offenbar fünf Attentäter, vier Sprengsätze im Stadion zu platzieren. Einer der Terroristen sollte den Anschlag filmen. Die Sprengsätze sollten in einem Fahrzeug „mit Zugangsberechtigung“ – zum Beispiel einem Krankenwagen – in die Arena gebracht werden. Gegen Mitternacht sollte darüber hinaus ein Anschlag auf einen Bahnhof in Hannover erfolgen. Davon erlangte das Bundesinnenministerium Kenntnis und riet zur sofortigen Absage des Spiels. Grundlage der Entscheidung war nach NDR Informationen ein Geheimbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der auf Informationen eines ausländischen Geheimdienstes basiert. So also die Situation. Nur: Es wurden in Hannover keine Sprengsätze sichergestellt. Damit stellt sich die Frage, ob es den Plan wirklich gab und ob er auch in die Tat umgesetzt werden sollte. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte am Mittwoch: „Wir wissen bis heute nicht, ob der Hinweis so zutraf.“ Bis jetzt gibt es denn auch keine offizielle Bestätigung von den Behörden, dass der oben skizzierte Ablaufplan überhaupt existiert. Die nächste Frage schließt sich an: Warum sind die Sicherheitsbehörden nicht mit mehr Details an die Öffentlichkeit gegangen? Aus Angst davor, dass die Quelle versiegt – also dass der Tippgeber durch eine Veröffentlichung des Plans eventuell enttarnt werden könnte? Wer die Quelle war, ist derzeit natürlich auch völlig unklar. Mittlerweile hat der Generalbundesanwalt in Karlsruhe die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. Es gehe um den Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung, sagte ein Sprecher. Zu weiteren Einzelheiten wollte er keine Angaben machen. Am Montagabend habe es laut De Maizière zunächst einen „diffusen Hinweis“ gegeben, nach dem die Behörden das Spiel eigentlich noch stattfinden lassen wollten. „Im Laufe des Tages haben sich die Hinweise aber verdichtet.“ Bei einer Pressekonferenz der Polizei hatte Einsatzleiter Thomas Rochell am Mittwoch die Situation rund um die Länderspiel-Absage geschildert. Ein neunsekündiger Anruf aus dem Innenministerium sei am Abend eingegangen. „Sofort absagen!“, hieß es demnach. Bereits zuvor waren nach Polizeiangaben über 2.000 Einsatzkräfte vor Ort – darunter auch viele Mitglieder von Spezialeinheiten. Es habe mehrere Hundert Einzelkontrollen rund um das Stadion gegeben. Zwar sei eine Reihe von Hinweisen eingegangen und auch eine Reihe von Gegenständen überprüft worden. Doch „in keinem Fall wurden gefährdende Dinge festgestellt“, sagte Rochell. (NDR 20.11.2015

Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die Gruppe, die einen Anschlag auf das Länderspiel Deutschland-Niederlande am vergangenen Dienstag plante, tatsächlich besteht und immer noch zuschlagen könnte. Es handele sich anscheinend um einen minutiös geplanten Terrorangriff, der kurzfristig durch die Absage des Spiels gescheitert sei, erfuhr die „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.) aus Sicherheitskreisen. Der französische Geheimdienst hatte dem Verfassungsschutz berichtet, eine Terroristengruppe wolle fünf Bomben in Hannover zünden, drei davon im Stadion, eine an einer Bushaltestelle und eine an einem Bahnhof. Es wurden auch Details zu den Mitgliedern der Gruppe mitgeteilt, darunter Namen. Wie die F.A.S. erfuhr, sind diese Namen den Sicherheitsbehörden bisher nicht bekannt gewesen. Man versuche nun, diese Personen zu finden. Dazu werden sogenannte Gefährder beobachtet. Zwar wurde in Hannover kein Sprengstoff gefunden. Doch das könne damit zusammenhängen, dass das Spiel so rechtzeitig abgesagt wurde, dass die Gruppe ihre Anschläge verschoben habe, heißt es. Die Ermittlungen in dem Fall hat der Generalbundesanwalt übernommen, für ihn soll das Bundeskriminalamt tätig werden. Es wird davon ausgegangen, dass das BKA auch zur Gefahrenabwehr tätig sein wird, wie es nach der Novelle des BKA-Gesetzes im Fall von internationalem Terrorismus möglich ist.(FAZ 22.11.2015)

Fünf Tage nach dem abgesagten Länderspiel haben die Sicherheitsbehörden keine Hinweise, dass die Terrorzelle mit den Anschlagsplänen für Hannover tatsächlich existiert. Das erfuhr das ZDF aus Sicherheitskreisen, in denen es unterschiedliche Bewertungen zur Glaubwürdigkeit der Terrorwarnung des französischen Geheimdienstes gibt. (…) Es gebe derzeit “keine Informationslage, die zur Überzeugung von der Existenz der Zelle berechtigt“, so die Auskunft am Sonntag gegenüber dem ZDF. Dennoch müsse allen Hinweisen nachgegangen werden. (…) Trotz der vorhandenen Zweifel suchen die Behörden mit Hochdruck nach Informationen, die zu den Details der angeblich geplanten Attacken in Hannover und der möglichen Tatbeteiligten passen könnten. Zum mutmaßlichen Anführer der Terrorzelle, Abdul F., gibt es bisher keinerlei Erkenntnisse, obwohl es sich bei F. nach Angaben eines ausländischen Geheimdienstes um einen deutschen Staatsbürger handeln soll. Auch deshalb sind Ermittler in Nachrichtendiensten und Polizeibehörden geteilter Meinung über die Existenz einer aktiven Terrorzelle, wie sie in der Warnung beschrieben wurde. (ZDF 22.11.2015)

6 Kommentare

  1. Pingback: ZDF-Chat Moderatoren tolerieren hetzerische und rassistische Kommentare bei Maybritt Illner |

  2. Pingback: Thomas de Maizière beruhigt: “Es gibt keine konkreten Menschen die Anschläge planen” | Machtelite

  3. Pingback: Pinocchio-Partei: die Lügen der AfD | Machtelite

  4. Pingback: Chemnitz: Kochte Jaber Albakr TATP unter den Augen des Verfassungsschutzes? | Machtelite

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: