Bebend vor Emotionen: Joachim Gauck geht in den USA das Herz auf

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Bildquelle: Zwischenüberschrift SZ Online

Image and video hosting by TinyPic2013:Gauck bebend vor Emotionen neben Obama

Bundespräsident Gauck geht das Herz auf. Ostdeutschlands renommiertester Freiheitskämpfer streichelt eine Bronzestatue. Nicht für die Fotografen. Nein, weil es ihm selber ein Bedürfnis ist. Denn die USA sind für Gauck der Inbegriff der Freiheit. Deswegen stand er 2013 bebend vor Emotionen neben Obama. Schreibt Ines Trams für das ZDF aus Philly:

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Noch einen Tag nach der zärtlichen Berührung wird dieses emotionale Highlight seiner „Pilgerreise“ in der SZ beschrieben:

„Ich habe sie nicht nur angesehen, ich musste sie anfassen“, schwärmt er hinterher.

An der University of Pennsylvania stellte Gauck bei der Umdeutung historischer Tatsachen erneut seine devote Nibelungentreue zum transatlantischen Bündnis unter Beweis (Quelle):

Denn wohl haben wir die atlantische Gemeinschaft gebaut, aber das große Projekt ist noch nicht vollendet. Wohl sind wir den Übeln jener Zeit entgegengetreten, haben das Ende des aggressiven sowjetischen Imperialismus erlebt, den Kalten Krieg überwunden und das europäische Einigungswerk vorangetrieben, doch sind an die Stelle alter Herausforderungen neue Gefahren getreten. Deshalb müssen wir uns bewusst machen: Die transatlantische Partnerschaft ist in Zeiten neuer Mächte und neuer Herausforderer kein optionales Bündnis, eine von mehreren möglichen Konstellationen. Ich bin mir sicher: Die transatlantische Partnerschaft – und in ihrem Kern auch die deutsch-amerikanische Freundschaft –, sie ist und bleibt das essenzielle strategische Bündnis unserer Tage. In einer Welt, in der Terroristen wüten, in der Autokraten und Diktatoren auftrumpfen, in der Staaten zerfallen und ganze Regionen im Chaos versinken, in der die wichtigsten Rechtsprinzipien unseres Zusammenlebens mancherorts keine Achtung mehr finden – in dieser Welt der alten und der neuen Gefahren wird das bewährte Bündnis der freien und demokratischen Staaten die wichtigste Stütze der Stabilität bilden. Die Kraft der ähnlich Gesinnten, jener, die sich Freiheit und Gleichheit, Rechtsstaat und Menschenrechten verpflichtet haben, sie bleibt die größte Hoffnung der Verfolgten und Unterdrückten dieser Welt, und sie bleibt die größte Hoffnung für uns selbst. Auch in Zukunft werden wir einander brauchen, und wir haben Grund, einander zu vertrauen.

In einer Welt, in der die USA und ihre Partner islamische Fundamentalisten unterstützen, völkerrechtswidrige Kriege führen, Diktatoren aufrüsten, Regionen mit Bomben und Drohnenangriffen destabilisieren, illegale Massenüberwachung betreiben, die UNO, Regierungen, Unternehmen, Journalisten und politische Aktivisten ausspionieren, Geheimgerichte installieren, Geheimgefängnisse unterhalten, foltern und foltern lassen, ja in dieser Welt braucht es einen ostdeutschen Pfarrer, der uns sein Märchen von der Freiheit erzählt.

Gauck auf der Pressekonferenz am 7.10.2015:

Die Amerikaner waren ja auch im Nahen Osten, äh, aktiv um Verhältnisse zu verändern, Diktaturen zu stürzen, neue Gesellschaften zu errichten. Aus diesen Einsätzen und Kämpfen heraus sind ja auch Flüchtlingssituationen entstanden. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Aktivitäten, Einsätze, Kämpfe. Gaucks Fantasie bei der Umschiffung der Definition „völkerrechtswidriger Krieg“ sind keine Grenzen gesetzt. Auch schön: Neue Gesellschaften errichten. Hat prima geklappt!

Neu veröffentlichte Dokumente der US-Behörde DIA zeigen nun: Washington sagte schon vor Jahren voraus, dass sich ein Islamischer Staat herausbilden könnte. (…) Demnach bestehe die Assad-Opposition aus Salafisten, der Muslim-Bruderschaft und AQI, dem irakischen Al-Qaida-Ableger. Diese Opposition unterstützten der Westen, die Golfstaaten sowie die Türkei, während Russland, der Iran und China das Assad-Regime stärkten. (…) Während im Westen von gemäßigten Kräften gesprochen wurde, die sich gegen Assad stellten, war den Agenten längst klar: Die Rebellen wurden massiv von dem irakischen Ableger der Al Qaida (AQI) unterstützt. (…) Warum unternahmen die USA nichts gegen den Aufbau einer großterritorialen Terrororganisation? In dem zum Teil geschwärzten Bericht ist zu lesen, dass es in der instabilen Situation die Möglichkeit einer Gründung eines Salafisten-Staats geben könne. Und das sei, was die oppositions-nahen Staaten wollten – genauer: der Westen, die Golfstaaten und die Türkei. Dadurch würde Assad isoliert und in seiner Position nachhaltig geschwächt werden. (…) Der Journalist Ahmed wirft den USA vor, durch ihre geopolitische Strategie die Ursache für den Vormarsch des Terrorstaates begünstigt zu haben. Über die Unterstützung oder die Entmachtung regionaler Herrscher sollte demnach der Zugriff auf Öl- und Gas-Ressourcen sichergestellt werden. Die US-Regierung habe zwar erkannt, wohin die Verwicklungen in Syrien führen. Doch sie habe daraufhin die Einmischung in Syrien nicht zurückgefahren oder gar gänzlich beendet: Die bedrohliche Zukunft eines Kalifats habe die US-Führung billigend hingenommen und als Teil der eigenen Strategie gegen Assad eingesetzt. Zu dem damaligen Zeitpunkt war der Machthaber aus der US-Perspektive gefährlicher als ein möglicher Islamischer Staat. (Focus 26.5.2015)

At $1 billion, Syria-related operations account for about $1 of every $15 in the CIA’s overall budget, judging by spending levels revealed in documents The Washington Post obtained from former U.S. intelligence contractor Edward Snowden. U.S. officials said the CIA has trained and equipped nearly 10,000 fighters sent into Syria over the past several years — meaning that the agency is spending roughly $100,000 per year for every anti-Assad rebel who has gone through the program. (Washington Post)

Joachim Gauck, einst selber im Verdacht „Begünstigter der Stasi“ gewesen zu sein, ist Mitglied des elitären Think Tanks „Atlantik-Brücke“, der sich um die Kontaktpflege zu führenden Persönlichkeiten der USA bemüht und deren Sponsoren vornehmlich aus dem Finanz- und Kreditwesen, der Stahlindustrie, der Rüstungsindustrie, sowie der Automobilindustrie, stammen. Der Verein verlieh den Eric-M.-Warburg-Preis an die Kriegsverbrecher George H. W. Bush und Henry Kissinger, Folterfreundin und 9/11-Vertuscherin Condoleezza Rice, den Steuerhinterzieher Otto Graf Lambsdorff, den Spendensammler Helmut Kohl und die Sekretärin für Agitation und Propaganda an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Selbstverständlich kritisiert Transatlantiker Gauck die Veröffentlichungen von Botschaftsdepeschen durch WikiLeaks:

„Das kann ich nicht akzeptieren, dass das gefeiert wird, das ist ein elementarer Verlust von Recht.“

Ein elementarer Verlust von Recht ? Das Schicksal des mutmaßlichen Whistleblowers Chelsea Manning, dem die Weltöffentlickeit schockierende Informationen über Verbrechen der US Army in völkerrechtswidrigen Kriegen verdankt und der unter folterähnlichen Bedingungen in Haft sitzt, thematiserte der Theologe bislang nicht. Und wird es sicher auch morgen nicht tun.

Ines Trams schließt ihren Bericht für das ZDF:

Mit Blick auf sein Gespräch mit Präsident Obama am Mittwoch kündigte Gauck an, auch über Herausforderungen für die Freiheit sprechen zu wollen: „Wie ist die Freiheit in der Freiheit zu sichern?“

In den USA sitzen übrigens 2,2 Millionen Menschen hinter Gittern – das sind 25 Prozent der Häftlinge auf der gesamten Welt.

In Gaucks Zauberwald ist alles möglich:

Zwischen den Kontinenten gibt es seit jeher einen regen Ideenverkehr, einen Kreislauf von Einfällen und Einsichten. (…) Denken wir an Ideen wie Verbraucherschutz und Informationsfreiheit, Umweltschutz und – wenn Sie wollen, sogar den Veganismus, die alle ihren Weg zu uns gefunden haben.

Die SZ verliert im Freudentaumel über das transatlantische Kaffeekränzchen den Überblick über die Weltsprache Englisch:

Obama würdigte Gaucks Rolle in der Oppositionsbewegung in der DDR. „Es ist vermutlich nicht allen Amerikanern bekannt, welche wunderbare Rolle Herr Gauck gespielt hat bei der Wiederherstellung eines modernen, vereinten Deutschland“, sagte Barack Obama.

Obama sagte wörtlich:

Although it’s well-known in Germany, for American audiences, some people may not be aware of the President’s extraordinary life and the role that he’s played in creating a modern, unified, democratic and peaceful Germany.

Ach, die Süddeutsche war bei den Kollegen der Bild! Copy/Paste-Journalismus nennt man das. Auch die Berliner Zeitung kopiert die Passage. Wunderbar!

Die ARD Reporterin Ina Ruck zitiert für ihren Tagesschau-Beitrag (20Uhr) die Bemerkung Obamas mit „die wichtige Rolle für das Schaffen eines modernen, demokratischen und friedlichen Deutschlands.“ Liebe QualitätsjournalistInnen: das nennt man ZITATFÄLSCHUNG.

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Interessant wäre sicher auch zu erfahren, welche wunderbare Rolle Gauck 1992 als Chef der Stasi-Unterlagen Behörde spielte als seine Behörde 13 088 Seiten Stasi Dokumente über die NSA Spionage in der BRD ans Innenministerium und schließlich an die USA lieferte:

Die Stasi hatte Beweise dafür gesammelt, daß US-Agenten die Bundesregierung ausspionierten. Doch nach der Wende ließ das Bonner Innenministerium die belastenden Akten von bewaffneten Grenzschützern abholen und nach Washington bringen. Die stählernen Container bargen ein Staatsgeheimnis: 13 088 Seiten Dokumente. Der Empfänger war unverdächtig: Das Bundesministerium des Innern in Bonn hatte sie angefordert. Für Sicherheit beim Transport war gesorgt: Ein Kommando bewaffneter Grenzschutzbeamter holte die Aktenbündel beim Geheimschutzbeauftragten der Berliner Gauck-Behörde ab. (der Spiegel 26.07.1999)

3 Kommentare

  1. Pingback: Warum Merkel den Friedensnobelpreis nicht verdient |

  2. Sigi

    Wenigstens in Sachen NATO irrt sich Moser nicht in der Zielscheibe. Das kann ohne weiteres anerkannt werden.

    Gefällt mir

  3. Pingback: Joachim Gauck und die neue Art von Krieg |

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