Commerzbank: Im deutschen Sieg liegt die Gewähr für eine ersprießliche kontinentale Zusammenarbeit

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Dezember 1944. Der Kontinent liegt in Schutt und Asche. Millionen Menschen haben ihr Leben verloren in den Bombardements, auf den Schlachtfeldern und in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Im selben Monat erschien im Verlag J. J. Weber Leipzig eine letzte Sonderausgabe der „Illustrirten Zeitung“.

Siegfried Weber, Enkel des Gründers Johann Jacob Weber im Vorwort dieser Ausgabe:

Die vorliegende Kultursonderausgabe, die auch nach der aus Gründen des allgemeinen Kräfteeinsatzes für den totalen Krieg vorübergehend erfolgten Einstellung der über hundert Jahre bestehenden „Illustrierten Zeitung“, Leipzig, im sechsten Kriegsjahre fertiggestellt werden konnte, erscheint unter dem Titel „Der europäische Mensch“. Die Veröffentlichung gibt auch diesmal einen Ausschnitt aus dem unerschöpflichen abendländischen Kulturgut und soll über die Grenzen des Reiches hinaus dafür wirken, daß gerade in einer Zeit äußerster Gefährung aller europäischen Kultur diese den Menschen unseres Kontinents als ihr heiligster Besitz nur um so bewußter wird.

Es folgt ein Zitat aus Hitlers Mein Kampf:

Der Kampf, der heute tobt, geht um ganz große Ziele: ein Kultur kämpft um ihr Dasein, die Jahrtausende in sich verbindet und Griechen- und Germanentum gemeinsam umschließt.

Für die aufwendig gestaltete Publikation schrieben renommierte Autoren wie etwa der Philosoph Hans-Georg Gadamer („Was ist der Mensch?“). Gadamer wurde 1933 Mitglied des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Während des Zweiten Weltkriegs war er Mitarbeiter am NS-Projekt Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften.

Die Ausgabe der Illustrierten Zeitung beeinhaltet zahlreiche z.T. ganzseitige Werbeanzeigen großer deutscher Unternehmen, deren Graphiken und Texte nachfolgend im Kontext ihrer Verflechtungen mit dem NS-Regime dokumentiert sind. Bemerkenswert hierbei ist die Botschaft mancher Unternehmen, die ihre zivile Rolle in der Nachkriegsordnung im vereinten Europa unter deutscher Führung anvisieren:

Commerzbank:

Die Darstellung der engen und reibungslosen Zusammenarbeit der Commerzbank mit den nationalsozialistischen Behörden bei der Beschlagnahme von Vermögen, schließlich ab November 1941 bei der von Devisen- und Bankguthaben gibt eine Vorstellung davon, wie die Bank, dieses Verfahren auch für sie selbst profitabel und gegen spätere Regressansprüche geschützt durchführen konnte. Die Beteiligung an antisemitischen Maßnahmen war auch wichtiger Bestandteil der Geschäftspolitik der Commerzbank in den eroberten und besetzten Gebieten, wie am Beispiel der Niederlande und Polens nachgewiesen wird. Der Band endet mit dem Versuch der Beantwortung der Frage nach dem Mitwissen und der Mitverantwortung an der Vernichtung in Auschwitz. (Rezension: Die Commerzbank und die Juden 1933-1945)

Die Rolle der Commerzbank bei der gewerblichen „Arisierung“ jüdischer Unternehmen war in erster Linie durch die Funktion als Vermittler zwischen Erwerber und zu „arisierendem“ Betrieb geprägt, wobei ihre Netzwerkbeziehungen zur Informationsbeschaffung eine besondere Bedeutung erlangten. (…) Die Commerzbank (…) kreierte mit ihrer Dienstleistung der Vermittlung und Betreunung gleichsam einen neuen Markt, der ihrer klassischen Kompetenz als industrieller Unternehmensberater entgegenkam. (…) Im Vergleich wird deutlich, wie abwegig die Annahme einer Zurückhaltung der Commerzbank im Bereich der „Arisierung“ ist.Zumindest für den Bereich der mittelständischen „Arisierung“ des gewerblichen Vermögens kann davon keine Rede sein. (…) In keinem der untersuchten Fälle ergriff ein Bankangestellter für einen jüdischen Kunden Partei. (…) Mit ihrer Teilnahme am „Arisierungsprozeß“ und damit letztlich an der Beraubung ihrer jüdischen Kunden leisteten die Großbanken einen gewichtigen Beitrag zu dem im großen und ganzen reibungslosen Verlauf der beispiellosen Vermögensverschiebung, die aus der „Arisierung“ resultierte. (Bernhard Lorentz, Die Commerzbank und die „Arisierung“ im Altreich, Institut für Zeitgeschichte)

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Das Fundament des Friedens ist eine gesunde europäische Wirtschaftspolitik. An ihrer Verwirklichung mitzuarbeiten ist die vornehme Aufgabe der Dresdner Bank.

Dresdner Bank:

Kaum ein anderes privatwirtschaftliches Unternehmen hatte so enge Beziehungen zur SS wie die Dresdner Bank, erklärt der Wirtschaftshistoriker Johannes Bähr. Sie vergab etwa 30 Prozent aller Kredite für die Unternehmen der verbrecherischen Organisation und stellte ihr insgesamt rund 47,7 Millionen Reichsmark zu Verfügung. Im Gegenzug transferierte die SS-Führung riesige Guthaben auf Dresdner-Bank-Konten, die gleichzeitig als Sicherheit für die Kredite galten. Es war ein gutes Geschäft für beide Seiten. Dabei habe die Bank „aufgrund ihrer Verbindungen zu SS-Betrieben schon bald nach Beginn der planmäßigen Ermordung der Juden im Frühjahr 1942 gewusst, dass sie Geschäfte mit Massenmördern machte“, schreibt Bähr in seiner Untersuchung. (Spiegel 2006)

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IG Farben:

Bis zur Kriegserklärung des Deutschen Reiches an die Vereinigten Staaten von Amerika am 11. Dezember 1941 gab es sehr enge Beziehungen zwischen der IG Farben und amerikanischen Banken und Chemiekonzernen und die 1929 geschlossenen Geschäftsbeziehungen und Kartellabsprachen zwischen I.G. Farben und der US-amerikanischen Standard Oil of New Jersey von Rockefeller sollten auch in denen Zeiten des Zweiten Weltkrieges in erheblichem Umfang Geltung behalten, in denen das Deutsche Reich offiziell mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Krieg war. (Zukunft braucht Erinnerung, 2014)

Hermann Schmitz -ehemals Offizier in der Kriegsrohstoffbehörde des Kaiserreichs, später in der I. G. zum Finanzdirektor avanciert -war von gänzlich anderem Kaliber. Kühl und eher farblos, doch ein Finanzgenie mit phänomenalem Gedächtnis, hatte er keine Bedenken, Hitlers Expansionspolitik zur Geschäftsgrundlage seines Konzerns zu machen. Unter seiner Regie besetzten I.G.-Experten die Schaltstellen in den neu gegründeten Rüstungsbehörden, wo sie eng mit der politischen Führung sowie der Heeresbürokratie kooperierten. Dort gelang es ihnen, den größten Teil der staatlichen Subventionen, die Hermann Görings „Vierjahresplan“ zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft 1936 bereitstellte, in die Firmen der I. G. Farben zu lenken. Als Hitler 1938 plante, die Tschechoslowakei zu besetzen, war es die I.G., die den Überfall militärisch absichern half. Schmitz persönlich besorgte von der amerikanischen Standard Oil 500 Tonnen Bleitetraäthyl, einen Treibstoffzusatz für Flugzeugmotoren -ohne die US-Lieferung wäre Görings Luftwaffe bei der Aktion nur bedingt einsatzfähig gewesen. (…) Derlei Dienstleistungen zahlten sich aus: Kein anderes deutsches Privatunternehmen durfte sich in der Folgezeit an Hitlers Eroberungen derart gründlich bereichern wie die I. G. Farben. „Wie der Schakal hinter dem Löwen“, so Borkin, „zog die I. G. hinter der Wehrmacht in die überrannten Länder ein.“ (Spiegel, 1980)

Eine Clique von US-Industriellen ist versessen darauf, unseren demokratischen Staat durch ein faschistisches System zu ersetzen und arbeitet eng mit den Faschisten-Regimes in Deutschland und Italien zusammen. Ich hatte auf meinem Posten in Berlin oft Gelegenheit zu beobachten, wie nahe einige unserer amerikanischen regierenden Familien dem Naziregime sind. Sie trugen dazu bei, dem Faschismus an die Macht zu verhelfen, und sind darum bemüht, ihn dort zu halten. (William Dodd, US-Botschafter im Dritten Reich von 1933 bis 1937)

Handel mit Hitler: Die Liste der Beteiligten liest sich wie ein Who’s who? der amerikanischen Wirtschaft der Vorkriegszeit: die größte Ölfirma der Welt, Rockefellers Standard Oil of New Jersey, der Chemieriese DuPont, das Telefonkonglomerat ITT, General Electric, die mächtigen Stahlkonzerne, aber auch die Chase Manhattan Bank, die über ihre Filiale im von deutschen Truppen besetzten Frankreich dubiose Finanzgeschäfte abwickelte. Von den 100 größten amerikanischen Unternehmen, dies hat der Hamburger Historiker Bernd Greiner errechnet, unterhielten Mitte der dreißiger Jahre 26 enge Geschäftsbeziehungen nach Deutschland. Gemeinsam repräsentierten diese 26 etwa 60 Prozent des gesamten Vermögens auf der Liste der „Top 100“. Es handelte sich also nicht um Einzelfälle, sondern um die Crème de la crème der amerikanischen Wirtschaft. (…) Als die Weimarer Republik nach der Hyperinflation 1923 wirtschaftlich am Boden lag, waren es amerikanische Investoren, die eine kurze Phase der Prosperität, „die goldenen zwanziger Jahre“, ermöglichten. Der Dawesplan hatte die Reichsmark stabilisiert, gewaltige Dollarbeträge strömten nach Deutschland. Ford errichtete Fabriken in Berlin, dann in Köln, wohin Oberbürgermeister Adenauer den Pionier der Fließbandfertigung geholt hatte. Henry Ford persönlich legte 1930 den Grundstein für die neuen Fordwerke am Rhein. GM überraschte 1929 durch den Kauf der Adam Opel AG, aber auch kleinere und mittlere Unternehmen kamen. Umgekehrt gelang mit Hilfe amerikanischer Konzerne der deutschen Chemie- und Elektroindustrie ein Comeback auf den Weltmärkten. Kooperationsgeschäfte und Kartellabsprachen häuften sich, etwa zwischen der Standard Oil und IG Farben, die sich 1929 ihre jeweiligen Einflußsphären garantierten (…) Große Bankhäuser wie Chase Manhattan in New York spielten eine zentrale Rolle. Eine Handvoll deutscher und amerikanischer Anwaltskanzleien leistete juristische Feinarbeit, noch in den vierziger Jahren. Darunter, wie der amerikanische Publizist Charles Higham herausgefunden hat, auch die sich teilweise in jüdischem Besitz befindende Kanzlei Dillon & Reed und andere Machtzentren der Wallstreet wie Sullivan & Cromwell, dem die Brüder John Foster und Allen Dulles angehörten, Pfeiler des amerikanischen Establishments im Kalten Krieg. Ein feingesponnenes Netzwerk persönlicher Verbindungen zwischen Topmanagern auf beiden Seiten des Atlantiks entstand. Diese „Bruderschaft“ bewährte sich nach der „Machtergreifung“ und blieb nicht ohne Einfluß auf den westdeutschen Wiederaufbau nach 1945. (Zeit, 1999)

Unter Beteiligung der I.G. Farben wurde im August 1934 eine Tarnfirma mit dem harmlosen Namen „Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft mbH“ (Wifo) gegründet. Ihr geheimer Auftrag war der Bau von Großtanklagern für Heer und Luftwaffe. Rund eine Million Tonnen Treibstoff sollte die Wifo an rund zehn Standorten vorrätig halten. Vor allem galt es, Flugbenzin zu bunkern, das im Kriegsfall kaum noch importiert werden könnte. Erhebliche Mengen erwarben die Deutschen bis 1938 vom US-Konzern Standard Oil („Esso“); im Gegenzug erhielten die Amerikaner Raffinerieausrüstung für die Ölfelder in Bahrein. Weil die Deutschen keine eigenen Anlagen zur Herstellung von Flugbenzin hatten, schloss die I.G. Farben mit Standard Oil – gegen den Willen der US-Regierung – einen Lizenzvertrag, um Tetraethylblei erzeugen zu können. Die giftige Chemikalie erhöht die Klopffestigkeit des Treibstoffs und ermöglicht dadurch eine höhere Motorleistung. Ausländische Konzerne hielten auch im „Dritten Reich“ erhebliche Anteile am Mineralölgeschäft. Führend waren neben Standard Oil die britische AIOC (Anglo-Iranian Oil Company, Vorgängerin der BP) und die niederländisch-britische Royal Dutch Shell. (…) Dass Hitler auf einen Krieg zusteuerte, war unter den Industriebossen im Reich bald kein Geheimnis mehr. Eine wirtschaftspolitische Denkschrift vom August 1936 fasste der Diktator in zwei Forderungen zusammen: „I. Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein. II. Die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein.“ (Spiegel, 2010)

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Die vielfältigen Erfahrungen von heute werden der Friedensarbeit von morgen uneingeschränkt zugute kommen.

Krupp/Thyssen:

Die Aufrüstung Hitlerdeutschlands sicherte auch dem Krupp-Konzern riesige Profite. Nach den Angaben des USA-Hauptanklägers im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß, Jackson, stiegen in den Jahren 1935 bis 1941 die offiziell ausgewiesenen, in Wirklichkeit aber wesentlich höheren Gewinne nach Abzug der Steuern, Geschenke und Reserven auf fast das Doppelte an, und zwar von 57 Millionen auf 111 Millionen RM. (Braunbuch, 1968)

Die Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft war eine am 1. Juni 1933 vom Reichsstand der Deutschen Industrie (RStDI) eingeführte Spende zugunsten der NSDAP. Die Abgabe wurde nach dem Führer der NSDAP, Adolf Hitler, benannt und war dazu bestimmt, den „nationalen Wiederaufbau“ zu unterstützen. De facto standen die Geldmittel Hitler zur persönlichen Disposition zur Verfügung. Angeregt wurde diese Spendenaktion für den Nationalsozialismus im Frühjahr 1933 von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, Hjalmar Schacht und Martin Bormann. Bei einem Treffen von Hitler, Göring und Schacht mit Vertretern wichtiger Unternehmen wie IG Farben, Friedrich Krupp AG, Vereinigte Stahlwerke, AEG, Siemens AG, Adam Opel AG erläuterte Hitler die Grundzüge seiner Politik und versprach dabei die Ausschaltung der Gewerkschaften, sowie das Ende aller demokratischen Verfahren für die nächsten Jahrzehnte. Krupp war dabei in seiner Funktion als „Führer“ des RStDI tätig. (Wikipedia, 2016)

Das Geheimtreffen vom 20. Februar 1933 war eine Zusammenkunft Adolf Hitlers nach der Machtergreifung mit 27 Industriellen in Hermann Görings Amtssitz im Reichstagspräsidentenpalais zur Finanzierung des Wahlkampfes der NSDAP bei den halbfreien Reichstagswahlen vom 5. März 1933. Auf diesem Treffen wurde für den laufenden Wahlkampf zur Reichstagswahl, mit der die NSDAP zusammen mit der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot die notwendige Zweidrittelmehrheit für das Ermächtigungsgesetz erreichen wollte und die sich als letzte Mehrparteien-Reichstagswahl des Deutschen Reichs erweisen sollte, ein Wahlfonds von drei Millionen Reichsmark für die NSDAP und die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot beschlossen, von denen ca. 2 Millionen nachweisbar als Zahlung eingegangen sind. (Wikipedia, 2016)

It is bad enough that the Bush family helped raise the money for Thyssen to give Hitler his start in the 1920s, but giving aid and comfort to the enemy in time of war is treason. The Bush bank helped the Thyssens make the Nazi steel that killed Allied solders. As bad as financing the Nazi war machine may seem, aiding and abetting the Holocaust was worse. Thyssen’s coal mines used Jewish slaves as if they were disposable chemicals. There are six million skeletons in the Thyssen family closet, and a myriad of criminal and historical questions to be answered about the Bush family’s complicity. (John Loftus, ehemaliger Staatsanwalt und heute Leiter des Florida Holocaust Museums)

While there is no suggestion that Prescott Bush was sympathetic to the Nazi cause, the documents reveal that the firm he worked for, Brown Brothers Harriman (BBH), acted as a US base for the German industrialist, Fritz Thyssen, who helped finance Hitler in the 1930s before falling out with him at the end of the decade. The Guardian has seen evidence that shows Bush was the director of the New York-based Union Banking Corporation (UBC) that represented Thyssen’s US interests and he continued to work for the bank after America entered the war. (Guardian, 2004)

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Schutz aller Werte des Lebens durch Allianz Versicherung.

Allianz:

Überlebende des Holocaust klagen derzeit in den USA gegen die Assekuranz auf Schadensersatz in Milliardenhöhe für ihnen entgangene Lebensversicherungen (siehe Kasten Seite 62). Und nun zeigen SPIEGEL-Recherchen im Bundesarchiv in Berlin und Koblenz, daß die Versicherung mit dem NS-Regime selbst finanziell alliiert war. Die Dokumente sind seit Jahrzehnten zugänglich – und blieben doch unbeachtet. Das Münchner Unternehmen führte demnach eine ganze Phalanx namhafter deutscher Versicherer an, die mit der NSDAP und deren Terrortruppe SS zusammenarbeitete. Die Konzerne kassierten gleich zweimal: von den Opfern und den Tätern. Sie verdienten an den Versicherungen der deportierten Juden – und an den Policen für die Zwangsarbeitsbetriebe der SS. Von 1940 bis 1945 versicherte etwa die Allianz in den Konzentrationslagern Rüstungsbetriebe der SS und Häftlingsbaracken, Materiallager und Fuhrparks. Sie schloß mit den SS-Dienststellen eine Vielzahl von Verträgen und kassierte Hunderttausende Reichsmark an Prämien. Auf den Policen mit dem Kopf der Assekuranz finden sich die Orte des Grauens: Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Stutthof, Neuengamme und Ravensbrück. Ob Haftpflicht-, Feuer- oder Unfallversicherung – die Allianz hatte alles, getreu ihrem Werbeslogan, „voll und ganz versichert“. (Spiegel, 1997)

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Auf den Straßen Europas künden deutsche Fordwagen von der zielbewussten Arbeit der deutschen Industrie. Der zuverläassige, wendige und leicht zu wartende Ford-Lastkraftwagen wird bei der Bewältigung der großen Aufgaben die unser Kontinent nach dem Krieg zu lösen hat, ein überall willkommener Helfer sein.

Ford/Opel:

Stunden vor Konferenzbeginn veröffentlichte der Wissenschaftler Auszüge aus Dokumenten, die er in amerikanischen Archiven gefunden hatte. Sie zeigen, daß zwei Giganten der US-Wirtschaft, General Motors und Ford, mit Hitlers Drittem Reich kollaborierten und sich an den Opfern des Holocaust bereicherten. (…) Die deutschen Tochterfirmen der Automobilunternehmen beschäftigten Zwangsarbeiter, verschafften dem Dritten Reich Zugang zu kriegswichtigen Rohstoffen und rüsteten Hitlers Wehrmacht auf. Die amerikanischen Besitzer wußten davon und billigten zum Teil sogar die Zusammenarbeit mit dem Nazi-Regime. (…) An der Aufrüstung der Wehrmacht beteiligten sich Ford und Opel seit 1938. Gemeinsam fertigten sie 90 Prozent der Drei-Tonnen-Kettenfahrzeuge und gut zwei Drittel aller mittelgroßen Lastwagen. Darunter war auch der „Opel Blitz“, das sogenannte Rückgrat der Wehrmacht. Dessen Allradantrieb half Hitlers Soldaten an der schlammigen Ostfront ebenso wie in den Wüsten Nordafrikas. (…) Die Ingenieure der Ford-Werke entwickelten zudem eigens das „Maultier“, einen Lastwagen mit hinterem Kettenantrieb. Ohne die beiden amerikanischen Unternehmen, so Historiker Snell, wäre Hitlers Angriff auf Polen 1939 und die Sowjetunion 1941 „nicht möglich gewesen“. In einer geheimen Absprache mit Hitlers Oberkommando der Wehrmacht vereinbarte Ford 1939 zudem, in den Kölner Werken auch Munition herzustellen. Die Opel AG in Rüsselsheim stellte die Fahrzeugproduktion ebenfalls teilweise um und produzierte statt dessen Ju-88-Bomber und Düsentriebwerke für die Luftwaffe. James Mooney, bei General Motors verantwortlich für das Überseegeschäft, hatte dies persönlich mit Hitler vereinbart. Für Ford war das Rüstungsgeschäft lukrativ. Wie aus einer kürzlich freigegebenen Untersuchung der amerikanischen Militärbehörden hervorgeht, konnte Ford seine Erträge zwischen 1938 und 1942 verdoppeln. Als kriegswichtiges Unternehmen hatten die Automobilbauer die Möglichkeit, auf KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter zurückzugreifen – darunter viele junge Mädchen aus der Sowjetunion. (Spiegel, 1998)

Die deutsche Tochterfirma des Ford-Konzerns war während des Zweiten Weltkrieges für Hitlers Kriegführung so unverzichtbar, dass nach Deutschland deportierte Zwangsarbeiter in großer Zahl in der Kölner Filiale arbeiten mussten. Trotz dieser unumstößlichen Tatsache weigert sich das Unternehmen bis heute, an Verhandlungen über Entschädigungen auch nur teilzunehmen. (…) Einem Bericht der US-Army von 1945 zufolge stellte German Ford bereits vor dem Krieg militärisches Gerät für das Reich her. Die Firma richtete für den Tag der Mobil machung ein Werk für Kriegsproduktion in einer der sogenannten Sicherheitszonen nahe Berlin ein – mit Zustimmung aus Dearborn. Nach Hitlers Invasion in Polen 1939 wurde German Ford einer der größten Fahrzeuglieferanten für die Wehrmacht. Dokumente belegen, dass die Firma auch an die SS und die Polizei lieferte. 1941 stellte German Ford schon keine PKW mehr her, sondern ausschließlich Militärlaster. Fords Fahrzeuge waren unverzichtbar für die Blitzkriegs-Strategie der Nazis. Ein Drittel der 350.000 Lastwagen der motorisierten Wehrmacht stammten bis 1942 aus dem Kölner Werk – es war für die Kriegführung des Reichs so wichtig, dass die Alliierten es mehrmals bombardierten. (Freitag, 2000)

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Wenn aber eines Tages die Waffen schweigen, werden die Wagen, die dann unter dem Mercedes-Benz-Stern die Straßen eines geeinten und unabhängigen Europas befahren, die Summe aller jener Erfahrungen darstellen, welche in härtesten Zerreißproben der Schlachtfelder und Nachschubwege dieses Krieges in Ost und West, Nord und Süd gesammelt werden konnten.

Daimler Benz:

Seit 1943 wuchs auch die Zahl der in den Daimler-Fabriken eingesetzten KZ-Häftlinge, die sich die einzelnen Firmenleitungen meist aus den KZ-Außenlagern selbst heraussuchen durften. „Es kamen Herren von Daimler-Benz und suchten Mädels aus für Genshagen“, beschrieb eine junge Tschechin aus dem KZ Ravensbrück die Prozedur, „und sie suchten junge Mädchen aus, die gesund aussahen. Wir mußte unsere Hände zeigen und die Zunge und die Zähne, wie wenn man Kühe kauft… Dann wurden wir auf einen Lastwagen aufgeladen.“ 1944 waren schließlich 50,5 Prozent aller in den 17 Werken des Konzerns beschäftigten Arbeitskräfte ausländische Zwangsarbeiter – 27 000 Zivilarbeiter, 4900 Kriegsgefangene und 5600 KZ-Häftlinge. Im Werk Genshagen waren es gar 67 Prozent, davon ein Viertel KZ-Häftlinge. Diese Zahlen sind nun keine Besonderheit der Daimler-Benz AG, sondern entsprechen in etwa denen in vergleichbaren anderen Unternehmen. Was aber bei Daimler-Benz auffällt, ist der hohe Anteil an KZ-Häftlingen auch in Werken innerhalb des Reichsgebietes. Hierzu bedurfte es vor allem guter Beziehungen zum Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) der SS, der Organisationszentrale der SS, und über solche verfügte man in der Stuttgarter Unternehmensleitung. (Zeit, 1994)

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Unsere Arbeit ruht nicht. Die im Kriege gesammelten Erfahrungen werden ständig ausgewertet und später Europa zugute kommen.

BMW:

Günther Quandt habe sich auf die von staatlicher Seite gestellten Bedingungen des Rüstungsgeschäfts eingelassen, habe die sich daraus ergebenden Chancen schon vor dem Krieg genutzt und sich dadurch notwendigerweise an den Nationalsozialismus gebunden, schreibt der Historiker. Wem das zu abstrakt ist, der findet für dieses grausame Geschäftsmodell im Buch Beleg um Beleg. Nach überschlägigen Schätzungen waren während des Krieges mehr als 50.000 Zwangsarbeiter in den verschiedenen Unternehmen der Gruppe beschäftigt. Und sowohl Günther als auch Herbert Quandt waren von Beginn an über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter informiert. Günther Quandt habe sich sogar gelegentlich persönlich mit Detailfragen des Arbeitseinsatzes beschäftigt. In Posen gab es ein ganzes Werk, das auf dem Rücken von mehr als 20.000 Zwangsarbeitern aufgebaut worden war. Auch bei den sogenannten „Arisierungen“, also den Konfiszierungen jüdischer Unternehmen, haben für Günther Quandt nach Scholtysecks Überzeugungen menschlicher Anstand und kaufmännische Seriosität keine Rolle gespielt. Vielmehr habe Quandt skrupellos zugegriffen. Und während es damals kaum möglich gewesen wäre, Zwangsarbeiter grundsätzlich abzulehnen, hätte es Quandt freigestanden, sich überhaupt nicht an „Arisierungen“ zu beteiligen oder zumindest einen dem Unternehmenswert entsprechenden Kaufpreis zu zahlen. So das harte Urteil des Historikers.(FAZ, 2011)

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Focke-Wulf:

Nach siegreicher Beendigung des Kampfes um die kontinentaleuropäische Selbstbestimmung werden wir unsere Friedensarbeit weiterführen und mit den gewonnenen Erfahrungen und der bewiesenen starken Leistungsfähigkeit immer bessere Flugzeuge bauen für die hohen Ansprüche des kommenden europäischen Luftverkehrs.

Den ersten Stich hatte Mercedes gemacht: 1935 war die Messerschmitt Bf-109 mit dem DB-600 als Sieger aus dem Wettbewerb um den künftigen Jagdeinsitzer des Deutschen Reiches hervorgegangen. Doch BMW blieb seinem Grundprinzip treu, denn ein luftgekühltes Triebwerk war gegen Beschädigungen durch Geschosse grundsätzlich weniger empfindlich als ein wassergekühltes Aggregat.Weil doppelt besser hält, hatte die Luftwaffenführung 1937 ohne Ausschreibung einen Entwicklungsauftrag für ein alternatives Jagdflugzeug vergeben – an den Bremer Hersteller Focke-Wulf und seinen Chefingenieur Kurt Tank. Angetrieben werden sollte die Maschine von dem BMW-Motor. (…) Die Konstruktion von Kurt Tank, äußerlich weniger elegant als die Bf-109, mit einem breitbeinigen Fahrwerk und dem dicken Motor, erwies sich als herausragend. Zusammen mit dem neuen Motor, der erstmals Anfang 1940 im dritten flugfähigen Prototypen aufstieg, wurde die Fw-190 zum Horror der alliierten Bomberbesatzungen. (Welt, 2014)

1963 erfolgte die Verschmelzung von Focke-Wulf mit der Weser-Flugzeugbau GmbH zu den Vereinigten Flugtechnischen Werken (VFW). Die Unternehmensteile gingen später in den Besitz von EADS und Airbus über. (Wikipedia, 2016)

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Preussag:

Auch heute arbeiten unsere Werke für den Kampf um die Freiheit, in der wir uns mit unseren Freunden in ganz Europa zur weiteren Förderung des technischen und sozialen Fortschritts im Bergbau zusammenfinden werden.

Die Preussag AG ist so ein Unternehmen, das sich nicht am Entschädigungsfond der deutschen Wirtschaft beteiligt. Man habe von der Zwangsarbeit bei Preussag „noch kein klares Bild“, sagt Firmensprecher Frank Laurich. „Deshalb gibt es keine abschließende Entscheidung, ob wir dem Entschädigungsfonds beitreten.“ Früher förderte die Preussische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft vornehmlich Kohle und Salz und schmolz Erz zu Stahl. 1924 hatte Preußen seine Bergwerke, Salinen und Hütten in der staatlichen Preussag zusammengefasst. Während der Endphase des Zweites Weltkriegs arbeiteten bei dem Konzern bis zu 98.000 Menschen. Wie viele davon Zwangsarbeiter waren, ist nicht genau bekannt. Nach Ansicht des Göttinger Historikers Johannes Laufer hat die Preussag jedoch mit Sicherheit viele Zwangsarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen hat Laufer beauftragt, die Firmengeschichte im Nationalsozialismus zu erforschen.Heute hat sich die Produktpalette grundsätzlich gewandelt. Stahl und Kohle sind out, dafür Fernreisen in. Zum Beispiel gehört der Reiseveranstalter TUI zur Preussag. (taz, 1999)

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Camelia:

Die Töchter Europas werden es einmal besser haben als ihre Mütter und Großmütter. Vielleicht werden sie es gar nicht mehr verstehen können, dass diese noch neidvoll über die Landesgrenze blickten, weil dort beim Nachbarvolk der oder jener Artikel in besonders bewährter Güte hersgestellt wurde, der aber für sie nur unter Schwierigkeiten und unangenehm überteuert zu haben war. Kampf und leidvolles Opfer unserer Zeit werden ein neues und glücklicheres Europa entstehen lassen mit regem, friedlichem Güter – und Warenverkehr. Dann wird die Zeit da sein, wo alle Käufer unseres Kontinents, in welchem Land sie auch immer wohnen mögen, wohlfeil und mühelos die Spitzenerzeugnisse Europas kaufen können.

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4711:

So kommt noch nach fünf harten Jahren des Krieges „4711“ Echt Kölnisch Wasser in altbewährter Qualität und köstlicher Frische als Gabe der Freundschaft Deutschlands zu seinen euopäischen Freunden – zu ihrer Freude und Erquickung.
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Dujardin:

Es soll allen gut gehen! Ja, noch besser soll es allen gehen. Jeder soll ohne Sorgen arbeiten, es sich leisten können zu reisen, sein Heim mit schönen Dingen zu füllen, seine großen und kleinen Herzenswünsche zu verwirklichen. Das will Deutschland! Für sich, wie für alle Länder Europas, die guten Willens sind aus eigener Kraft und durch gemeinsame Arbeit den Lebensstandard ihrer Völker zu sichern und zu erhöhen. Dafür kämpft Deutschland. Und nur der deutsche Sieg wird dieses Ziel der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft verwirklichen!

2 Kommentare

  1. temporalevirtuale

    > z in „Kräfteeinsates“

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  2. Hat dies auf montagfrei rebloggt und kommentierte:
    Lesenswert. Kleiner Wegweiser durch Firmengründungen der deutschen Nachkriegsgeschichte von Blogger Bob Roberts a.k.a. Machtelite

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