Intech Solutions GmbH Geschäftsführer vertrat Hacking Team auf Nachrichtendienst-Konferenz

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Screenshot: Intech Solutions Website vor der Löschung der Infos zur Produktpalette

Welt Online berichtete am 9.7.2015 über die Geschäftsbeziehungen der italienischen Überwachung-Software Firma Hacking Team mit dem deutschen Unternehmen Intech Solutions GmbH. Hacking Team versorgt Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste in mehr oder weniger autoritären Regimen mit Schnüffeltechnologie, die Computer und Smartphones infiziert. Die bayrische Firma erstand 2012 den Hacking Team Trojaner Remote Control System und bezog anschließend Aktualisierungen und Wartungsdienste im Wert von insgesamt 335.000 Euro. Dabei behauptet die Firma Hacking Team, deren Kundenstamm durch einen Hack öffentlich wurde, sie würden ihre Produkte nicht an Privatleute oder private Unternehmen verkaufen.

Die Informationen über die Dienstleistungen der Totalüberwachung (Wanzen, Trojaner), die bis vor kurzem noch auf der englischsprachgen Seite von Intech Solutions zu lesen waren sind mittlerweile entfernt.

Über seine Geschäfte mit Hacking Team, gibt der Geschäftsführer des Ein-Mann-Betriebs, Klaus Weigmann, keine Auskunft. In den vertraulichen e-mails der Firma Hacking Team ist jedoch immer wieder die Rede von deutschen Partnern (partner tedesco) und Geschäftskontakten in Dubai und Pakistan (Miran International).

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Come stanno andando le cose con il Pakistan? Eravamo d’accordo cheavremmo coinvolto il nostro partner tedesco per evitare la nostra
presenza fisica nel paese. Ci sono update?

Wie läuft es mit Pakistan? Wir waren uns einig, dass wir unseren deutschen Partner beteiligen, um unsere physische Präsenz im Land zu vermeiden. Gibt es Updates?

How’s the situation with Pakistan? We agreed on involving our german partner to avoid physical presence there. Any updates?

Welt Online fragt:

Ist Weigmann vielleicht ein Zwischenhändler oder ist er Betreiber, wie die Wartungsverträge nahelegen? Und, wenn ja, in wessen Auftrag handelt er? Kommen die staatlichen Stellen aus dem Ausland?

Hinweise hierauf finden sich in einem Artikel von Medium. Das Hacking Team Equipment zweier Projekte mit den Codenamen CONDOR und FALCON wurde Intech Solutions in Rechnung gestellt, war aber, wie Dokumente belegen, für andere Organisationen bestimmt. In einer Kundenliste steht als Land für das „Intech-Condor“ Projekt: „K Iraki“. CONDOR und FALCON sind zudem mit „Luxemburg“ gelisted. Beim Projekt FALCON findet sich neben “Luxemburg” die Information “State security“ und die Mail-Adresse „sith@lea-consult.de. Dahinter verbirgt sich Simon Thewes, Chef der deutschen Telekommunikations-Sonderlösungen GmbH. Ein weiterer Zwischenhändler von Hacking Team? Der indirekte Verkauf der Trojaner über Firmen in anderen europäischen Ländern funktionierte auch in der Schweiz.

Sowohl Thewes als auch Weigmann pflegten regen Mail-Kontakt mit Hacking Team. Beide wurden gemeinsam von Hacking Team Salesmanager Marco Bettini auf die Gästeliste für die ISS-Messe (Intelligence Support Systems for Lawful Interception, Electronic Surveillance and Cyber Intelligence Gathering) in Prag gesetzt.

Klaus Weigmanns intensive Geschäftsbeziehung zu Hacking Team verdeutlicht eine Mail an den Veranstalter (Behördenspiegel) der exklusiven 2. Nachrichtendienst-Konferenz am 31. Oktober 2014 in Berlin:

Dear Mr. Bauer, I would like to inform you that two people will be present at HT stand in Berlin: – Mr. Marco Bettini – Mr. Klaus Weigmann.

Auch für die dritte nichtöffentliche Nachrichtendienst-Konferenz im Oktober 2015 ging bereits eine Einladung an Hacking Team heraus:

Dear Mr. Vincenzetti,

On 29th October 2015 The Behörden Spiegel Group organizes the exclusive Intelligence Service Conference in the Hotel Rome in Berlin. High-ranking speakers will report and discuss the main topic “Challenge to the information: Trust – Transparency – Surveillance – Standards”. A selected expert audience will be invited, the Attendees will be Presidents, Vize Presidents, Directors, State Secretaries, Head of Directorates and Units.

Different high ranking executives like Klaus-Dieter Fritsche (state secretary), Dr. Hans-Georg Maaßen (President of the Federal Office for the Protection of the Constitution), Dr. Christof Gramm (President of the Military Counter-Intelligence Service) and Gerhard Schindler (President of the Federal Intelligence Service) have confirmed their participation as key-note speakers. A high ranking conference in this shape is unique.

Attached you find a draft with the different possibilities to join the conference. In this year the lunch will be served in three different rooms, some places will be reserved for VIPs but it will possible to join each of the rooms as a company member. Last year companies like IBM, Recommind, Atis, Secusmart, BAE Systems, ESG, Empolis, Zylab, Atos, Sap etc. participated in the conference.

Finally I have one request: Please do not publish the draft because of the high ranking speakers and the exclusiveness of the conference.

Kind regards

Sebastian Bauer

Ob Hacking Team und ihre deutschen Zwischenhändler tatsächlich dieses Jahr auf die Führungsetage der deutschen Geheimdienste treffen wird?

Fakt ist: Auch die deutschen Strafverfolgungsbehörden hatten Kontakt mit Hacking Team und zeigten Interesse an deren Staatstrojaner. Das BKA hatte jedoch nicht nur mit dem Hacking Team direkt Kontakr, sondern auch mit der IT-Firma INTECH Solution. Dies berichtet Ulrike Maerkel auf Ruhrbaron.de:

Im November 2013 fand bei einem Meeting im Bundeskriminalamt eine „Produktvorstellung“ mit der bayrischen Firma statt, die das umfassende RCS-Spionagetool inklusive Wartungs-Verträge bis 2016 angekauft hatte. Auch so genannten Exploits, die Sicherheitslücken in Programmen ausnutzen, um in Computersysteme einzudringen, gehörten zum digitalen INTECH-Warenpaket. Zum Innenministerium gehören die Geschäftsbereiche IT/Cybersicherheit und Öffentliche Sicherheit/Cyberspionage. Dennoch antwortete Thomas de Maizières Ministerium, dass seinen Sicherheitsbehörden und den zuständigen Geschäftsbereichen zum Einsatzes von Software der Firma Hacking Team in Deutschland „keine eigenen Erkenntnisse vorliegen“.

Mit Spannung darf nun ein neuer Welt-Artikel zur Thematik erwartet werden. Investigativ Journalist Florian Flade kündigt auf Twitter für den 15.7. einen Beitrag an:

Projekt „Condor“- Deutsche Firma lieferte #HackingTeam-Spionagesoftware an kurdischen Geheimdienst.

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