Zeit Online: Zensur wie bei Putin

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Am 12.März 2015 hat Zeit Autor Matthias Naß ein neues Gesicht des Krieges entdeckt:

“ Nato: Das neue Gesicht des Krieges. Mit Putins Aggression in der Ukraine hatte die Nato nicht gerechnet. Russlands Kriegsführung ist nicht neu – die Regeln aber sind es. Die Nato sucht eine Gegenstrategie.“

Nein, mit dieser „Aggression“ vor Russlands Haustür konnte das US-dominierte Friedensbündnis niemals rechnen und die Suche nach „neuen“ Strategien ist für die Existenzberechtigung der NATO nie von Nachteil. Beim Tee mit einem anonymen Militärstrategen wäre es Investigativ Journalist Naß fast gelungen streng geheime Papiere einzusehen:

„Von seinem Schreibtisch im Brüsseler Hauptquartier der Nato nimmt der Drei-Sterne-General ein knapp vierzig Seiten dickes Papier. Der General blättert darin und erläutert einige der wesentlichen Punkte, um die es geht. Aus der Hand gibt er das Papier nicht. Streng geheim! Es ist das vielleicht sensibelste Konzept, das derzeit in der westlichen Allianz zirkuliert.(…) Die Aufgabe, die den militärischen Vordenkern diesseits und jenseits des Atlantiks gestellt war: Wie soll der Westen auf die hybride Kriegsführung reagieren, mit der Russland vor einem Jahr erst die Krim annektiert und dann die Ostukraine destabilisiert hat? (…) Hybride Kriegsführung – das ist die Verbindung von verdeckten und offenen Operationen, von diplomatischem Druck und wirtschaftlichem Zwang, von Desinformation und Cyberattacken, das ist der Stopp von Gaslieferungen und das Hochfahren von Propagandasendern. Es ist das Ineinandergreifen von militärischen und zivilen Mitteln. Es ist, mit einem Wort, das Verwischen von Krieg und Nichtkrieg.“

Hybride Kriegsführung! Bereits 2014 warnte Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove im „Welt“-Gespräch:

„Unser großes Problem ist in der Tat eine neue Art der Kriegsführung. Daran arbeiten wir. Ganz ehrlich, das Wichtigste ist, dass die Nato-Nationen auf die sogenannten grünen Männchen vorbereitet sind. Bewaffnete Militärs ohne Hoheitsabzeichen, die Unruhe schaffen, Regierungsgebäude besetzen, die Bevölkerung aufwiegeln.“

Die Äußerungen des Obersten Alliierten Befehlshabers Europas stoßen bei den Bündnispartnern nicht immer auf Gegenliebe:

„General Philip Breedlove wird nach SPIEGEL-Informationen aus den Hauptstädten vorgeworfen, die militärische Rolle Russlands in der Ostukraine seit Ausbruch der Krise übertrieben dargestellt zu haben. Im Kanzleramt ist sogar von „gefährlicher Propaganda“ die Rede. Außenminister Frank-Walter Steinmeier intervenierte deswegen persönlich bei Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.“ (SPON 7.3.2015)

Im weiteren Verlauf des Zeit Artikels verlinkt Autor Naß wie selbstverständlich auf die Internetseite der NATO und beschreibt gleichzeitig die Grauzonen des Krieges, staatliche Propaganda und Desinformation als rein russisches Phänomen:

„Es gibt ein Wort in der russischen Militärstrategie, das heißt maskirowka und bedeutet so viel wie: Täuschung, Verschleierung, Desinformation.(…) Unberechenbarkeit wird zur Waffe. Sind wir noch im Frieden, oder befinden wir uns schon im Krieg? Darüber Verwirrung zu stiften, auch das gehört zur hybriden Kriegsführung.Für die westliche Allianz aber ist die Antwort auf diese Frage essenziell. Denn nach Artikel 5 des Nato-Vertrags gilt für alle Mitgliedsstaaten eine Beistandsgarantie. Jeder potenzielle Aggressor soll wissen: Wenn ich ein Land angreife, dann greife ich das ganze Bündnis an. Eine Grauzone darf es nicht geben. Grau ist aber die Farbe der hybriden Kriegsführung. Nicht Schwarz oder Weiß. Artikel 5 markiert die Schwelle zum Krieg. Die Kunst eines Gegners wird es sein, unterhalb dieser Schwelle zu agieren, die Schwierigkeit der Nato, darauf richtig zu antworten. (…) So hat die lettische Regierung in Riga mit finanzieller Hilfe von sechs Nato-Staaten ein Zentrum für Strategische Kommunikation gegründet. Es soll erforschen, wie man Desinformation und Propaganda am besten entgegentreten kann. Denn hierin unterscheidet sich die hybride von der traditionellen Kriegsführung ganz fundamental: Mithilfe des Internets und ganz besonders der Sozialen Medien kann ein Aggressor ein Maß an Verwirrung stiften, wie es in dieser Form bisher nicht möglich war. Die berüchtigten Sankt Petersburger „Trolle“, gewissermaßen Leserbriefschreiber im staatlichen Auftrag, fluteten westliche Onlineforen mit ihren Kommentaren und hatten damit Erfolg: Sie säten Zweifel.Für das Thema Strategische Kommunikation fühlt sich aber nicht so sehr die Nato zuständig.“

In einer Untersuchung des Journalisten und Medienforschers Uwe Krüger zum Einfluss von Eliten auf Leitmedien wird der Zeit Autor und Bilderberger Naß zu den am stärksten mit den sogenannten Eliten vernetzten Journalisten gerechnet. Der Publizist und ehemalige Kanzleramtsmitarbeiter unter Brandt und Schmidt, Albrecht Müller, zählt ihn deshalb zu den Autoren einer „US-nah organisierten Gleichschaltung wichtiger Leitmedien“.

Um Naß und der Leserschaft der Zeit die selektive Analyse im Artikel zu veranschaulichen habe ich mir erlaubt in einem Kommentar eine kurze Passage eines Deutschlandfunk Artikels zu zitieren, der sich dem Buch „Schmutzige Kriege“ des US-Autors Jeremy Scahill widmete:

„Der amerikanische Journalist Jeremy Scahill berichtet in seinem aktuellen Buch von Todeslisten, Spezialkommandos und Geheimgefängnissen der USA. Er kommt in „Schmutzige Kriege“ zu dem Schluss: Was unter der Regierung Bush begann, wurde unter seinem Nachfolger Obama perfektioniert.“

Der Kommentar erhielt zahlreiche Empfehlungen und wurde schließlich mit folgender Begründung gelöscht:

„Entfernt, da themenfremd. Die Redaktion/se“

Image and video hosting by TinyPicOffenbar ist es für manche Verantwortliche in der Zeit Redaktion nicht gut auszuhalten, wenn der einseitigen Analyse des „neuen Gesichtes des Krieges“ die Scheinheiligkeit der US- und NATO Positionen mittels eines kurzen, absolut nicht themenfremden Zitates vorgehalten wird. Ironischerweise wird eine solche Meinung nicht geduldet, sondern genau mit der Maßnahme unterdrückt, die nicht in freien Demokratien wie der BRD, sondern autoritären Staaten wir Russland verortet werden: Zensur. Leserbriefe im staatlichen Auftrag mögen Realität sein, hüben wie drüben. Genaugenommen ist aber auch der Artikel von Mattthias Naß nichts anders als staatskonformer, eingebetteter Gefälligkeitsjournalismus im Interesse des westlichen Militärbündnisses.

Täuschung, Verschleierung, Desinformation, die Verbindung von verdeckten und offenen Operationen, von diplomatischem Druck und wirtschaftlichem Zwang, von Desinformation und Cyberattacken, das Hochfahren von Propagandasendern, das Ineinandergreifen von militärischen und zivilen Mitteln, das Verwischen von Krieg und Nichtkrieg. Wenn Matthias Naß in den letzten Jahrzehnten nicht in irgendeinem Zauberwald gelebt hat, sollte auch ihm bekannt sein, dass die USA und dass von ihnen dominierte Militärbündnis NATO diese sogenannte hybride Kriegsführung zur Perfektion gebracht haben:

Gekaufte Meinung: Pentagon beschäftigt PR-Armee für US-TV

Die amerikanische Kriegsstrategie verändert sich weg vom offenen, hin zum versteckten Krieg.

Nato ‘covered up’ botched night raid in Afghanistan that killed five

Gladio – Geheimarmeen in Europa

Deutschlands „Kampfeinsatz“: Jenseits des Rechts

Afghanistan-Krieg bei Günther Jauch:Propaganda mit falschen Zahlen

Extensive Feindpropaganda: Interview mit dem Schriftsteller Wolfgang Bittner über MH-17, Faschisten in der Ukraine und das Versagen der westlichen Medien

Greenwald:Kognitive Infiltration von Online-Gruppen und Webseiten

Die Geheimdienste betreiben nicht mehr nur Überwachung und Spionage. Dokumente aus dem Fundus von Edward Snowden, die dem SPIEGEL vorliegen, zeigen: Sie wollen die Herrschaft im Internet und bereiten digitale Kriege vor.

Ein beliebtes Mittel um Zeit-Online Kommentatoren zum Schweigen zu bringen ist das „Argument“ „Verschwörungstheorie“. Vorzugsweise verwendet im Kontext von 9/11 und selten publizierten Verstrickungen der Geheimdienste in terroristische Aktivitäten :

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Ein weiterer inflationär verwendeter Textbaustein mancher Zeit-Zensoren ist die Aufforderung „seriöse Quellen“ zu verweisen. Warum beispielsweise das Machtelite-Blog im Vergleich zu den zahlreichen Onlineportalen der Mainstream-Presse als unseriös gilt wird nicht erläutert.

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Im Mai 2015 löschte Zeit Online den Account „Realpolitik“ ohne vorherige Ankündigung. Auch mein Nachfolge-Account „Paulie Gualtieri“ wurde nach wenigen Tage ohne Angaben von Gründen gesperrt.

Ich habe daraufhin im Juni eine schriftliche Anfrage an die Redaktion gestellt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit geraumer Zeit kommentiere ich Artikel auf Zeit Online. Leider erlauben sich immer wieder Mitarbeiter Ihres Portals Kommentare und schließlich Accounts von mir zu löschen. Die Löschungen der Accounts erfolgen ohne vorherige Ankündigung. Die Löschungen der Kommentare werden in der Regel damit begründet, man wolle „nicht auf diese Website, bzw. diese Quelle“ verlinken. Nun ist das Verlinken von Quellen nicht explizit untersagt auf ZON, sondern wird häufig sogar eingefordert von der Moderation. Seit Jahren blogge ich zu wichtigen Themen wie beispielsweise dem NSU-Komplex, den Snowden Enthüllungen und anderen sicherheitspolitischen Fragen. Meine Artikel wurden von renommierten Blogportalen wie Fefe, Nachdenkseiten, der Freitag und Netzpolitik verlinkt. Eine ZON-Autorin zitierte mich in einem Artikel. Als User „Realpolitik“ wurden 25 Kommentare mit Redaktionsempfehlungen belegt. Ich habe Kommentare häufig mit links auf mein nicht kommerzielles, privates Blog verlinkt, weil nur dort bestimmte Transkripte zu finden waren, beziehungsweise um ZON-Lesern über den Kommentar hinaus die Möglichkeit zu bieten, weiterführende Informationen und Anregungen zu bekommen.

Bitte beantworten Sie mir folgende Fragen:

Warum haben Sie meine Accounts (Helene Ehrensold,Realpolitik,Paulie Gualtieri) gelöscht? Wer hat dies veranlasst? Warum wurde das Verlinken auf mein Blog mal toleriert, mal nicht?  Warum wollen manche Moderatoren nicht auf mein Blog verlinken? Nach welchen Kriterien wird das Verlinken auf Blogs/Quellen bewertet?
Sind Blogs als Quellen generell nicht akzeptiert auf ZON?

Vielen Dank im Voraus und beste Grüße,

Bob Roberts

Die lapidare Antwort von Zeit Online, auf die Löschung der Accounts wird mit keinem einzigen Wort eingegangen:

Guten Tag,

bei Verlinkungen auf Blogbeiträge und andere Inhalte entscheidet die Moderation von Fall zu Fall, ob diese, in Bezug auf unsere Netiquette, zulässig sind.

Mit freundlichen Grüßen

Community-Redaktion ZEIT ONLINE

4 Kommentare

  1. Lieber Verfasser,

    ich bin eine ehemalige Freitagsbloggerin, die zu den über 30 FC-Schreibern gehört hat, die — obgleich wir fester auf der Grundlage der einst doch hochheiligen Grundwerte der FDGO verankert sind, als unsere Regenten das noch für statthaft halten — wohl aufgrund ihrer zu „kritischen“ Sichtweise der aktuellen Geopolitik „aussortiert wurden“ (mit der wundersamen Hilfe solcher Blogger vom Schlage eines „Guardian“, die Beiträge mit drohend=raunenden Kommentaren bedenken, bevor ihre Verfasser die erste Sperrung erfahren).

    Nachdem wir „Ehemaligen“ (guck alte Beiträge durch: der Nick „ehemalige Nutzer“ in alten Threads explodiert exponentiell: Das sind u.a. wir bzw. unsere einstigen Kommentare, die nicht mit unseren Accounts verschwunden sind) ein eigenes Forum zum „Überwintern“ gegründet haben, haben wir wechselseitig unsere Geschichten ausgetauscht. Fazit: Der Freitag ist mitnichten noch eine freie Oase im reglementierten Brei der Einheitspresse & ihrer homogenisierten Foren: Er ist — da er frei tut — in seiner Zensierungsweise sogar noch perfider als die offene Zensur bei FAZ & SZ.

    Falls dich das gleiche Schicksal ereilt wie uns, kannst du dich auch auf unserer Alternative melden:
    http://fe.termiten.net/

    Ansonsten: Viel Glück! Jede kritische Stimme zählt im gleichgeschalteten Medienwald!!!

    Herzliche Grüße,
    Alphabetta (mein Ex-Nick in der FC)

    Gefällt 1 Person

  2. Rolando

    Früher war ich immer der Meinung, dass die Zeit ein besonders liberales, demokratisches Blatt ist.Heute weiß ich, dass dieses Käseblatt dem linksgrünen Mainstream huldigt. Konservative Meinungen werden schon per se nicht geduldet! Zudem ist das Blatt der „Atlantikbrücke“ verpflichtet. Die NATO-Meinung ist sozusagen die Hausmeinung der Redaktion! Widerspruch oder Zweifel an der NATO-Doktrin werden nicht geduldet.

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  3. Pingback: Zeit Online: Ein Lehrstück über Propaganda | Machtelite

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