NSU-Morde in München und Nürnberg: Ist V-Mann Benjamin G. Tatverdächtiger?

Pitt von Bebenburg schreibt am 5.3.2015 im Online-Bereich der Frankfurter Rundschau:

„Der Polizeischutz für den ehemaligen V-Mann Benjamin G. wirft Fragen auf. G war nicht nur am Tatort in Kassel, er soll auch in München und Nürnberg gewesen sein, als dort der NSU mordete. (…) „Schützen Sie einen bekannten Rechtsextremisten? Und warum denn überhaupt?“, rief die Sozialdemokratin an Innenminister Peter Beuth (CDU) gewandt. Der Minister antwortete darauf nicht. Hintergrund der Frage war ein Bericht der hr-Sendung „Hessenschau“ aus dieser Woche. Ein Reporter hatte bei G. geklingelt, um mit ihm zu sprechen. Zwei Minuten danach sei die Polizei erschienen und habe erklärt, der frühere V-Mann stehe „unter besonderem Schutz“, berichtete der Sender. (…) Kurz vor der Tat hatte Temme mit seinem rechtsextremen Informanten telefoniert. Kürzlich war herausgekommen, dass Benjamin G. auch in München und Nürnberg gewesen sein soll, als der rechtsterroristische „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) dort Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund ermordete.“

1. G. war am Tatort in Kassel? Das ist eine falsche Information. Es gibt keine Hinweise darauf, dass G. am Tatort war, zumindest wurde darüber nirgends berichtet.

2. G. soll auch in München und Nürnberg gewesen sein, als der NSU dort mordete? Vermutlich entnahm von Bebenburg diese Information dem Aust/Laabs-Artikel, der am 22.2. in der Welt erschien. Dort heißt es:

„Außerdem rekonstruierten die Ermittler anhand von Temmes Kalender und Telefondaten, dass der Verfassungsschützer auch an zwei weiteren Mordtagen mit Gärtner telefoniert hatte: am 8. Juni 2005 in Nürnberg und sechs Tage später in München. Es waren die Nummern 6 und 7 der Mordserie, und jedes mal war V-Mann Gärtner zur Tatzeit in der Stadt, in der der Mord passierte.

Auch diese Passage ist fehlerhaft: am 8. und am 14. Juni gab es keine NSU-Morde in Nürnberg und München. Die Taten wurden am 9. und 15. Juni verübt. Die Falschinfo „NSU-Morde am 8. und am 14. Juni“ wurde auf den Online Portalen des Hessischen Rundfunks und der Frankfurter Rundschau übernommen. 2014 kursierte bereits eine falsche dpa-Meldung:

„Yasar war am 8. Juni 2005 in seinem Imbisstand in Nürnberg erschossen worden. Die Tat wird der rechtsextremen Terror-Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zugeschrieben.“

Wo steckt nun die Fehlerquelle für diesen nachlässigen Journalismus: Vielleicht bei Christian Fuchs und John Goetz, die 2012 ihren NSU-Schnellschuss „Die Zelle“ veröffentlichten? Auf der Seite ihres Verlages finden sich die von Laabs und Aust verwendeten falschen Daten:

„Die Morde:8. Juni 2005, Nürnberg: Ismail Yasar. 14. Juni 2005, München: Theodoros Boulgarides.“

Richtig ist hingegen folgendes: Verfassungsschützer Temme und V-Mann Benjamin G. (GP 389) telefonierten am 9. und am 15. Juni miteinander. Woher die Ermittler wussten, dass G. an diesen Tagen in München und Nürnberg war ist bislang nicht öffentlich gemacht worden.

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Gibt es Zeugen oder ist diese Info auf eine Funkzellenabfrage zurückzuführen?

Wenn der rechtsextreme Benjamin G., der auf der sogenannten 129er-Liste der mutmaßlichen NSU Unterstützer steht, sich tatsächlich an den Mordtagen in Nürnberg und München aufhielt, stellt sich einige Fragen: ist er dringend tatverdächtig? Wird gegen ihn ermittelt? Was verschweigt Verfassungsschützer Temme?

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