NSU-Affäre:Springer-Presse entlastet Innensenator Henkel

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„Er gehe nicht davon aus, dass die Behörden damals aufgrund seiner Informationen die NSU-Mitglieder hätten festnehmen können, sagte er der Berliner Morgenpost. Er sei nicht „auf die Idee gekommen“, dass hinter den Informationen des Freundes Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt stecken könnten.“ Mopo 23.9.2012

Der NDR plappert am selben Tag nach:

„Wegen dieser Panne steht insbesondere der Berliner Innensenator Frank Henkel in der Kritik. S. entlastete aber Henkel und spielte zugleich seine eigene Rolle herunter.“

Henkel hatte im März 2012 weder das Berliner Abgeordnetenhaus noch den NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages über die V-Mann Tätigkeit des NSU-Unterstützers Thomss S. informiert. Angeblich hatte die Generalbundesanwaltschft die Bitte geäußert, die Information zu dem V-Mann nicht an den Untersuchungsausschuss weiterzuleiten. Die Bundesanwaltschaft wies diese Darstellung Henkels vehement zurück. Absprachen über Zeitpunkt und Form der Übermittlung der Erkenntnisse wurden nicht getroffen. Die Berliner Polizei wollte zunächst sogar dem Generalbundesanwalt, der seit Januar 2012 gegen S. ermittelt, die Unterlagen zum V-Mann Thomas S. nicht überlassen. Anfang April lehnte Berlin eine entsprechende Anfrage aus Gründen des Quellenschutzes und wegen Schutzpflichten gegenüber dem Informanten ab. Erst Ende Mai schickte das Berliner Polizeipräsidium dem Generalbundesanwalt dann ein sogenanntes Behördengutachten, eine dreiseitige Zusammenfassung der Akten zum V-Mann Thomas S. Ein vertrauliches Schreiben des Berliner Staatsschutz-Chefs Oliver Stepien an die Bundesanwaltschaft von Anfang April belegt laut Spiegel, dass die Polizei die Akten über den V-Mann Thomas S. habe zurückhalten wollen. Demnach soll der Beamte die Übersendung aller Akten nach Karlsruhe verweigert haben, weil die „Einsicht durch den Untersuchungsausschuss nicht ausgeschlossen werden“ könne.

In der heutigen Welt am Sonntag packt Thomas S. nun aus und spricht über Sprengstoff, den Untergrund und die Liebe zu Beate Zschäpe („Ich habe das gemacht, um mir etwas zu beweisen – und sicherlich auch, um Beate zu imponieren.“ ). Worin die Springer-Journalisten eine Entlastung für Innensenator Henkel sehen bleibt ihr Geheimnis. Das Fehlverhalten Henkels, seine Lügen, die Unterdrückung von wichtigen Informationen mit der Aussage des rechtsextremen Terrorhelfers zu entschuldigen, er gehe davon aus, dass seine Informationen damals keine Festnahme des NSU-Trios begünstigt hätten, ist eine unredliche, auf Strohmann-Argumenten basierende Schützenhilfe für Henkel.

Im Interview mit der Welt gibt sich Thomas S. ahnungslos:

„Welt am Sonntag: Sie haben als V-Person des Berliner Staatsschutzes ab November 2000 unter anderem einen Hinweis auf drei Personen aus Thüringen gegeben, die per Haftbefehl wegen Waffen- und Sprengstoffdelikten gesucht werden. Wussten Sie, wo sich die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle befanden?

S.: Nein. Ich bin damals ja selbst nicht auf die Idee gekommen, dass hinter den Informationen des Freundes ausgerechnet die drei Personen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt stecken könnten. Ich bin davon ausgegangen, dass sich das Trio wenige Monate nach dem Abtauchen ins Ausland abgesetzt haben muss. (…) Das letzte Mal habe ich das Trio dann im April oder Mai 1998 gesehen. (…) Ich habe nichts mehr gehört, obwohl in der Szene immer viel geredet wurde. Das war extrem geheim. Auch auf Nachfragen von Freunden kam nichts. Dabei war einer ihrer Vertrauten ein guter Bekannter von mir, wie ich heute weiß.“

Ausgerechnet seine drei ehemaligen Freunde, denen er Sprengstoff und eine konspirative Wohnung besorgt hatte. Da konnte natürlich niemand mit rechnen. Zur Erinnerung: Im November 1999 lehnte Thomas S. die Spende eines Thüringer Neonazis für das Trio mit der Begründung ab, die drei bräuchten kein Geld, weil sie jetzt „jobben würden“. Einen Monat zuvor hatte die NSU-Gruppe erstmals eine Postfiliale überfallen. Im Jahr 2000 warb der Staatsschutz am Berliner LKA Thomas S. als V-Mann an. Er sollte Informationen zur rechtsextremen Musikszene liefern – etwa zur Berliner Gruppe „Landser“. Am 13. November 2000 durchsuchte das sächsische Landeskriminalamt Thomas S. damalige Wohnung in Dresden im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen die Blood-&-Honour-Band „Landser“. Auf einem Notizblock standen die Namen von Mundlos und Zschäpe und vier ihrer mutmaßlichen Helfer, zum Teil mit Adresse und Telefonnummer – doch die Informationen wurden ignoriert und verstaubten in der Asservatenkammer. Am 14.11.2000 machte Thomas S. gegenüber dem Landeskriminalamt Sachsen umfangreiche Aussagen zur Landser CD “Ran an den Feind”, die er mitfinanziert und vertrieben hatte.

„Mehrfach noch habe er das Trio besucht 1998, so Thomas S., danach sei der Kontakt abgebrochen. Bei Einleitung des Ermittlungsverfahrens Anfang dieses Jahres bezweifelte die Bundesanwaltschaft das jedoch und schrieb über die „enge persönliche Verflechtung“ von S. mit dem NSU-Trio lapidar: „Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass dieses enge Verhältnis nicht bis in jüngste Zeit fortbestand.“ Tagesschau.de 15.9.2012

„Welt am Sonntag: Was war für Sie die Motivation, fast zehn Jahre lang als V-Person für die Berliner Polizei tätig zu sein? Sie waren doch aus der Szene ausgestiegen.

S.: Darüber will ich nichts sagen.

Welt am Sonntag: Haben Sie eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet?

S.: Kein Kommentar.“

Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz am 30.11.2011:

„Hinweis vom 09.09.1998: ZSCHÄPE sei zuletzt mit dem Chemnitzer B&H-Mitglied Thomas STARKE liiert gewesen. STARKE habe intensive Kontakte zum THS-Führer KAPKE. Beim Skin-Konzert im Frühsommer 1998 in Heilsberg seien Spendenkästen [für die „Drei“] aufgestellt worden. In der Szene halte sich das Gerücht, dass ZSCHÄPE sich stellen wolle und die Drei sich nach Ungarn abgesetzt hätten. Der sächsische B&H-Führer Jan WERNER habe gute Kontakte in die Schweiz. Das sächsische B&H-Mitglied Antje PROBST habe Beziehungen nach Berlin/Brandenburg, Tschechien, Ungarn und Kroatien. PROBST betreibe mit ihrem Ehemann, der nicht B&H-Mitglied sei, den Szeneladen „SONNENTANZ“ in Chemnitz. Nach Einschätzung des Hinweisgebers kommen vor allem die B&H-Leute aus Chemnitz, allen voran Antje PROBST, als Unterstützer in Frage. In der Szene sind Informationen zu den Dreien ein Tabu-Thema und werden aus möglichen‘ Verrats-Gründen von keinem angesprochen. Meldung an TLfV und LfV SN vom 11.09.1998, Verfasser LfV Brandenburg: Das LfV Brandenburg überstellte Erkenntnisse zu einem B&H-Konzert der Sektion Südbrandenburg am 05.09.1998 in Hirschfeld bei Lauchhammer. Daran nahmen u. a. Thomas STARKE und Jan WERNER teil. Zu den „drei sächsischen Skinheads“ habe Jan WERNER persönlichen Kontakt. WERNER soll damals den Auftrag gehabt haben, „die drei Skinheads mit Waffen zu versorgen“. Gelder hierfür’soll die B&H-Sektion Sachsen bereitgestellt haben. Die Gelder stammen aus Einnahmen aus Konzerten und dem CD-Verkauf.  (NSUleaks)

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2 Kommentare

  1. gast

    mittlerweile sind über 3 monate vergangen und nix ist passiert. und das in berlin. gespenstisch.

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  2. Pingback: Der Suizid von Böhnhardt und Mundlos:Was geschah am 4.11.in Eisenach ? «

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