SPON Selbstzensur ? Yassin Musharbash-Artikel über IntelCenter/Site gekürzt

Update vom 4.10.2011 : Nachdem dieser Artikel letzte Nacht eingestellt wurde ist der ursprünliche SPON-Artikel vom 4.8.2008 (Bin Laden auf der Spur:Die Terror-Tracker) seit heute plötzlich wieder in vollem Umfang verfügbar.  Die englischsprachige Version des Artikels (Insights into the Cyber-Jihad:Tracking the Terrorists Online) verzichtet gänzlich auf  die ausführlichen Informationen .

2008 erschien auf Spiegel Online ein Artikel zu zwei US-Firmen, die sich auf die Beobachtung islamistischer Propaganda im Internet spezialisiert haben. Site und IntelCenter sind Vertragspartner des Pentagon und der CIA , ihre Produkteproduktpalette (Videos/Analysen/Übersetzungen/Bedrogungseinschätzungen) wird im Internet beworben, auch Nachrichtenagenturen und Zeitungen, können gegen Zahlung auf die Infos der “Terror-Tracker” zurückgreifen.

Dass die Methoden von IntelCenter und Site nicht unumstritten sind und die Auslagerung eines so wichtigen Betätigungsfelds in private Hände auch auf Kritik stößt, wurde in ein einem Teil des Artikels sichtbar, der die Spon-Leserschaft auf weiterführende Informationen hinwies: “Klicken Sie hier für ausführlichere Informationen”. Dort konnte man bis 2010 unter anderem folgendes lesen:

” Einige Angebote sind so passgenau auf bestimmte Dienste zugeschnitten, das sie nicht im Katalog auftauchen. “Je genauer wir wissen, was sie (die Kunden – d. Red.) tun, desto mehr können wir helfen”, sagt Venzke. (…) Tatsächlich ist das Unternehmen, das bis vor knapp mehr als einem Jahr noch eine Non-Profit-Organisation war, praktisch ausschließlich auf dschihadistische Gruppierungen fixiert. Zu den Kunden zählen internationale Sicherheits- und Polizeibehörden, Firmen und Medien. Hauptprodukte sind E-Mail-Newsletter zu terrorelevanten Themen, aber auch, auf Anfrage, spezielle Analysen und Recherchen – wenn gewünscht sogar zu einzelnen Cyber-Dschihadisten. Site-Gründerin Katz hat ihre bewegte Lebensgeschichte, die im Irak begann und sie nach der Hinrichtung ihres Vaters über Israel in die USA führte, 2003 als Buch veröffentlicht. In einem Porträt schrieb der “New Yorker” über sie, sie wirke, als sei sie dafür geschaffen worden, Terroristen zu jagen.Kritiker monieren, dass Katz und das Site-Institut zu leidenschaftlich und zu wenig neutral seien. (…) Ein Teil der Methoden, die bei Site und IntelCenter zum Einsatz kommen, liegt entweder auf der Hand oder ist von Mitarbeitern öffentlich thematisiert worden. Rita Katz von Site etwa spricht offen von “Infiltration”, womit gemeint ist, dass sie und ihre Mitarbeiter sich als Cyber-Dschihadisten ausgeben und Qaida-nahe Chatrooms und Diskussionsforen penetrieren.Durch aktive Teilnahme am Geschehen erwerben sie sich Glaubwürdigkeit, was sie in Kontakt mit anderen bringt, die mehr wissen als der Durchschnittsnutzer. In mindestens einem Fall hat ein Site-Mitarbeiter technische Hilfe geleistet, um weiter am Ball bleiben zu können. So jedenfalls der “New Yorker”.(…)Technische Ansätze fangen grundsätzlich beim simplen Einmaleins der Online-Ausforschung an: IP-Adressen verfolgen, Server-Standorte lokalisieren. Es ist aber auch denkbar, dass kommerzielle Software zum Einsatz gebracht wird, mit der sich etwa “Online-Durchsuchungen” durchführen lassen. Schließlich darf man nicht vergessen, dass Site und IntelCenter mit einigen der potentesten Geheimdienste der Welt kooperieren. Es ist vorstellbar, dass diese den beiden Ansätze zur Verfügung stellen, wenn es bestimmte Rahmenabkommen gibt. (…) Obwohl zu den Kunden von Site und IntelCenter Regierungsbehörden in vielen Ländern der westlichen Welt gehören dürften, gibt es auch aus diesen Kreisen kritische Stimmen.”Es ist eine Schande”, sagt zum Beispiel ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter. “Man muss sich als Sicherheitsbehörde selbst ein Bild von dem Material machen und seine Unabhängigkeit bewahren.”Gar für “skandalös” hält ein anderer europäischer Sicherheitsexperte die Tatsache, dass Nachrichtendienste Abonnenments bei beiden Firmen haben. Auf diese Weise würden die Behörden deren Vorsprung nie aus eigener Kraft aufholen. (…) Insider kritisieren allerdings gelegentlich die Auswahl, die vor allem Site trifft. So versende Site zum Beispiel Übersetzungen von Bombenanleitungen, prüfe aber zuvor nicht, ob diese auch funktionieren würden. Und auch mutmaßlich unschuldige Personen seien auf diese Weise schon ins Visier der Behörden geraten. Im September 2007 kam es zu einer Panne, die Beobachtern unfreiwillig einen tiefen Einblick in die Arbeit von Site und die Verflechtung mit den US-Behörden bot: Am 6. September kündigte al-Sahab, al-Qaidas Medienproduktionsfirma, an, dass bald eine Rede Bin Ladens veröffentlicht werde.Obwohl der Titel der Rede von al-Sahab nicht genannt wurde, nannte ihn Site auf ihrer Web-Site – ein klarer Hinweis auf Insider-Kenntnisse. Am 7. September berichtete CNN plötzlich, dass dass der US-Regierung das Bin-Laden-Tape bereits vorläge – zu einem Zeitpunkt also, als al-Qaida es noch nicht veröffentlicht hatte. Kurz darauf berichtete die “Washington Post”, dass Site-Chefin Rita Katz das Tape gefunden und dem Weißen Haus hatte zukommen lassen. (…) Site und IntelCenter sind, wie die gesamte Branche, Kriegsgewinnler: Ohne den 9. September 2001 könnten Katz, Venzke und Devon von dieser Arbeit wahrscheinlich nicht leben.”

Diese ausführlichen Informationen sind in der aktuellen Version des Artikels nicht mehr vorhanden. Der Artikel wurde hiermit seiner wichtigsten Bestandteile beraubt ohne dass Spiegel Online dies kenntlich gemacht oder eine plausible Erklärung angeboten hat.

Weiterführende Artikel zu Site und IntelCenter:

Bayrischer Rundfunk:

” Der Münchner Islamistenprozess könnte eine sensationelle Wende nehmen: Einer der Anwälte beantragte die Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten. Begründung: Die Internet-Plattform, auf der die Angeklagten für islamistischen Terrorismus geworben hatten, sei zum Teil vom FBI gesteuert worden. Auch eine mögliche Verwicklung des israelischen Geheimdienstes Mossad wurde ins Spiel gebracht.(…) Es geht um die Internetplattform “Globale Islamische Medienfront” (GIMF), auf der mehrere vor dem Oberlandesgericht München Angeklagte Drohvideos und Dschihad-Botschaften eingestellt hatten. Weite Teile davon seien vom Federal Bureau of Investigation (FBI) – also der bundes- polizeilichen Ermittlungsbehörde des US-Justizministeriums – gesteuert worden, behauptet der Verteidiger.Er zitierte dabei aus neuen Dokumenten des US-Justizministeriums, die sich mit dem Internetz-Netzwerk befassen. Darin sei ein Benutzer mit dem Tarnnamen Said Ibn Abdullah al-Hanafi besonders aktiv gewesen.Er habe den deutschen Glaubensbrüdern Tipps zur Verschleierung ihrer Aktivtitäten gegeben und sie mit neuester Software versorgt. Nach Einschätzung des Anwalts handelt es sich – das gehe aus seiner Auswertung der US-Dokumente hervor – in Wahrheit um einen gewissen Joshua Devon.Dieser betreibe in den USA gemeinsam mit einer Frau namens Rita Katz die Site Intelligence Group: ein Institut, das in den USA zahlreiche Behörden vom FBI bis zur CIA mit Spezialwissen über islamistischen Terror versorgt habe. Rita Katz, so der Anwalt, sei eine Ex-Soldatin der israelischen Armee und vermutlich Mitarbeiterin des Mossad. Sie organisiere zahlreiche extrem zionistische Internet-Auftritte.”

Südwestrundfunk/ARD :

” Wie tief ist der deutsche GIMF-Sumpf ? (…) Die Angeklagten, aber auch Polizei und Bundesanwaltschaft, beschäftigten sich mit mindestens einer virtuellen Person, die versuchte, sie zu steuern: Die amerikanische Sicherheitsfirma SITE, die angeblich mit dem Wissen des deutschen BND handelte! Heute kam das Thema erneut zur Sprache. Ein BKA-Vermerk aus dem Jahr 2008 wurde verlesen. Liest man ihn mit dem Wissen um die SITE-Aktivitäten und um den bisherigen Verhandlungsverlauf, so muss man ein sehr stabiles Gemüt haben, um nicht auf die Idee zu kommen, die deutsche GIMF sei von mehreren Seiten durch V-Leute oder Provokateure geführt worden. Der BKA-Vermerk enthält kurz gefasst folgende Geschichte: Der Fake-Account Ahmet K. bot Emin T. immer wieder Hilfe an – unter anderem just zu dem Zeitpunkt, als die deutsche GIMF mit ihrem zweiten Video Deutschland und Österreich bedrohte (und deutsche Behörden vor der großen Gefahr durch die GIMF warnten). Ahmet K warnte die deutsche GIMF geradezu vor den Ermittlungsmaßnahmen gegen sie (obwohl er ja selbst Teil in gewisser Weise Teil der Ermittler war). Emin T. fasste Vertrauen, folgte den Ratschlägen und zog am 25.11.2007 (drei Tage nach der Veröffentlichung des Videos) auf den vom Provokateur angebotenen Server in Malaysia um und wandte sich fortan vertrauensvoll an ihn, um sich beraten zu lassen. So fragte er einige Tage später an, ob Ahmet K. ihm bei der illegalen Beschaffung von Kreditkartendaten helfen könne. Mit so genannten „Exploits“ wolle er sich illegal im Internet Geld beschaffen, um die „Muja“ (Gotteskrieger) zu unterstützen. Ahmet K. bot Hilfe an, warnte aber zugleich, das Entdeckungsrisiko solcher Beschaffung sei hoch. Doch damit nicht genug: Emin T. kam gar nicht von sich aus auf die Idee mit den Kreditkartendaten. Die Idee dazu stammte ausgerechnet von Irfan P. – der ja bekanntlich später V-Mann des Verfassungsschutzes wurde. Wie schon gesagt: Man braucht ein stabiles Gemüt, um hier nicht den nächsten Spitzel zu vermuten. Hat das Bundesamt für Verfassungsschutz also möglicherweise mit Irfan P. einen V-Mann angeworben, der schon früher für andere (ausländische) Behörden oder Institute gearbeitet hat? Oder ist das alles einfach nur ein großer Zufall oder eine unglückliche Wendung? “

Morgenpost :

” Site hat viele Kritiker. Geheimdienstexperten monieren, das Institut biete Terroristen eine Plattform und neige zu Verschwörungstheorien. Private Organisationen hätten grundsätzlich nicht die Ressourcen für gründliche Geheimdienstarbeit. Die im Irak geborene und später in die USA emigrierte Rita Katz gibt zu, dass die Verfolgung von Terroristen für sie eine Art “Sucht” sei.”

Beobachter:

” Private Ermittler und Geheimdienstfirmen sollen von der Bundesanwaltschaft Informationen aus Strafverfahren erhalten haben. Die Untersuchung wegen Amtsgeheimnisverletzung wird verschleppt. Rita Katz bedankt sich schriftlich bei der Bundesanwaltschaft für den Besuch in der Schweiz, besonders für die «Videos aus der Hausdurchsuchung, die wir ansehen durften». Diese gehören zum beschlagnahmten Material aus dem aufwendigsten Terrorprozess der Schweiz.(…) Doch wer ist Rita Katz? Die im Irak geborene Amerikanerin gründete das Site-Institute in Washington: ein Unternehmen, das mit Informationen über Terrornetzwerke handelt. Was Katz alles einsehen durfte, ist unklar. Doch Informationen aus Strafverfahren an private Ermittler weiterzugeben ist illegal.”

William Bowles Blog:

” And another from an outfit called Intelcenter which purports to do “cluster analysis” on the ‘international terror network’, which might be better described as a license to print money if anybody is gullible enough to actually pay this outfit money for their alleged expertise. Not surprisingly, it’s based in Alexandria, Virginia or ‘spook central’, just off the DC Beltway. Headed by Ben N. Venzke, Intelcenter is typical of the dozens of companies that have sprung up in the wake of ‘international terror’. Before running Intelcenter, Venzke ran an outfit called Military Intelligence Professional Bulletin which has US military connections including a handy ‘how to’ on making your own bombs courtesy the US military! Who needs al-Qu’eda when you have the US military supplying all the necessary diagrams in a handy pdf! “

Intelligence Watch Report  Recommended Book List 1996:

” Back Fire: The CIA’s Secret War in Laos and Its Link to the War in Vietnam” by Roger Warner – Simon & Schuster( Ben N. Venzke – A good accounting of the CIA’s covert actions in Laos and the personalities behind them. )”

Blackwater Tactical Weekly:

” SECURITY FOR THE PROFESSIONAL. Sponsored by Blackwater Security Consultants. SITE Institute : An Invaluable Resource. As the public hearings of the 9-11 Commission made disturbingly clear, the U.S. government is not yet fully equipped to win the war on terror. Bureaucratic wrangling among law enforcement and intelligence agencies has crippled government efforts to apprehend terrorists and dismantle the financial networks that support them. Most government agents currently lack the training and language skills required to track the dense and convoluted financing and recruitment networks of radical Islamic terrorist groups. Because these agents traditionally depend on surveillance and classified intelligence, they have little familiarity with the full range of public sources that the SITE Institute systematically utilizes to conduct research and obtain information crucial to success in the war on terror.”

SITE Press Release:

” On May 30, 2008, the Telegraph newspaper ran a misleading story… which incorrectly and falsely described analysis provided by the SITE Intelligence Group. Discussing a computer-generated image of a destroyed Capitol Building in Washington that was posted to a jihadist forum, the Telegraph claimed, without any basis, “The SITE Intelligence Group said that the image, showing a ruined Capitol Building in Washington, was created by extremists as part of discussions about the feasibility of nuclear strikes against the US and Britain.” This claim is entirely false, as is the characterization that SITE is “embarrassed” or “red-faced.” SITE rejects the claims by the Telegraph and stands fully behind the accuracy of its information and analysis. SITE at no time maintained that the image “was created by extremists.”

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